Berlin - Resigniert blickt Elvira K., Anwohnerin und Besucherin des beliebten Weddinger Volksparks Rehberge, auf eine ganze Reihe demolierter und ausgeplünderter Fahrzeuge, die entlang des Eingangs zur weitläufigen Grünanlage willkürlich abgestellt wurden. Wie von ihr gewünscht, haben wir ihren Namen verändert. Sie sagt: „Man schaut schon gar nicht mehr hin, denn dann überkommt einen die Wut, dass da keiner was dagegen unternimmt! So sieht das hier regelmäßig aus.“

Die gebürtige Weddingerin ist empört, denn offenbar sind Stadt und Bezirk machtlos gegen die illegale Müll- und Fahrzeugentsorgung in ihrem Lieblingspark. „Das stellen die hier alles bei Nacht und Nebel ab. Das sieht dann ja keiner. Nur wir Steuerzahler müssen die Entsorgung dann wieder bezahlen“, fügt sie an.

Das Szenario, welches sich dem Besucher des Parks bietet, ist in der Tat erschreckend. Mindestens ein Dutzend Autos mit zerschlagenen Scheiben, aufgerissenen und zerschnittenen Sitzen oder herausgezerrter Elektronik stehen an der schmalen Straße zwischen Plötzensee und dem Volkspark, der 78 Hektar groß ist und zwischen den Jahren 1922 und 1929 angelegt wurde. Von wem sie dort abgestellt werden, ist völlig unklar, jedoch sind alle Autos vollkommen demoliert.

Der Hundeführer hat einen Verdacht

Wenn die Frontscheiben noch vorhanden sind, bringt das Ordnungsamt Plaketten an, die die Halter dazu auffordern, das Fahrzeug abzuholen. Meistens fehlen aber die Kennzeichen, sodass nur die Möglichkeit bleibt, den Halter über die Fahrgestell-Nummer zu ermitteln. Die Kennzeichen, wenn noch vorhanden, stammen aus unterschiedlichen Bundesländern. Es fällt auf, dass die Autos keine hochpreisigen Modelle sind. Vielmehr stammen sie aus der Mittel- oder Kleinwagenklasse.

Ein anderer Besucher der Parks, ein älterer Herr, der hier regelmäßig seinen Hund spazieren führt, erzählt von seinem Verdacht, dass hier organisierte Kriminalität im Spiel sein könnte. Die Pressesprecherin der Berliner Polizei, Patricia Brämer, aber dementiert diesen Verdacht. Dafür lägen keine Hinweise vor.

Ein Anruf beim Abschleppdienst in der Bismarckstraße ergibt, dass ihre Mitarbeiter die Fahrzeuge dort nicht „zwischenparken“ . Es ist nicht gestattet, an öffentlichen Wegen und Straßen abgeschleppte Autos abzustellen. Wer letztlich also für das Ungemach verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel und wird wohl nur schwer zu ermitteln sein.

Allerdings stellen nicht nur die ausgeschlachteten Autos ein Ärgernis dar. Durch die Vermüllung des öffentlichen Raums sinkt auch für andere die Hemmschwelle, um hier Sperrmüll abzuladen. So werden ebenso regelmäßig Elektroschrott wie ausgeschlachtete Kühlschränke oder gar ganze Wohnzimmereinrichtungen einfach im Park abgeladen. Die Ordnungsämter, die für die Entsorgung zuständig sind, verfügen aber nicht über genügend Personal, um diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Oder sie setzen ihre Prioritären anderweitig.

Frust für die Erholungssuchenden

Berlin hat seit vielen Jahren ein Problem mit illegaler Müllentsorgung. In den seltensten Fällen kann man die Verursacher dafür zur Verantwortung ziehen. Frustrierend genug für die Anwohner und Erholungssuchenden, die in den Rehbergen Entspannung und Ausgleich zum hektischen Großstadtleben suchen.

Aber nicht nur im Wedding hat sich das Problem mit der illegalen Müllentsorgung zu einem Dauerproblem entwickelt. Die traurige Bilanz ergibt, dass allein in den Bezirken Mitte und Reinickendorf, wie die BZ berichtet, pro Jahr 7219 Kubikmeter illegaler Müllablagerungen entsorgt werden müssen. Dazu zählen dann noch nicht einmal die Autowracks.

Hinzu kommt seit etwa zwei Jahren das „Corona-Phänomen“. Menschen, die lange zu Hause bleiben mussten, nutzten die Gelegenheit, um ihre Wohnungen zu entrümpeln. Statt aber den Müll zu den BSR-Sammelstellen zu bringen, werden alte Möbel, Teppiche und Elektrogeräte einfach in den Parks und den umliegenden Wäldern entsorgt.

Im Schutz der Dunkelheit werden Straftaten begangen

Der Volkspark Rehberge ist indes seit einigen Jahren ein besonders beliebtes Ziel der illegalen Müllentsorger, denn er liegt mitten in der Stadt und besonders im Dunkeln ist es unmöglich, diese Vorgänge zu beobachten und somit Hinweise auf die Verursacher zu bekommen.

Es muss jedoch die Frage gestellt werden, wie die Stadtverwaltung mit diesem Problem umgeht. Müssten hier nicht neue Verordnungen her, um das Problem effizienter bekämpfen zu können? Bräuchten die Ordnungsämter nicht mehr Personal? Die Stadt Berlin, sagt Elvira K., müsste doch ein übergeordnetes Interesse daran haben, sich endlich vermehrt um diese Vorgänge zu kümmern, „denn sie sorgen für ein schlechtes Image unserer Stadt!“

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