Mark Twain konnte sich 1892 bei seinem Besuch noch über die Nummerierung der Häuser in den Berliner Straßen aufregen. Und Franz Hessel schwärmte in seinem 1929 erschienenen Buch „Spazieren in Berlin“ von seinen Streifzügen über den Kurfürstendamm und durch die Friedrichstadt oder von einer Fahrt mit dem Ausflugsdampfer nach Köpenick: „Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der anderen, es ist ein Bad in der Brandung.“

Wenn der Flaneur heute von seinem Smartphone aufschaut, erblickt er inkriminierte Straßen und Plätze – von Onkel Toms Hütte bis zur Mohrenstraße. Manche Namen werden gelöscht, andere umbenannt. Die Gründe sind unterschiedlich. Die „Französische Straße“ verschwindet, die Wissmannstraße in Neukölln – benannt nach einem Befehlshaber der deutschen Kolonialtruppe – heißt nun Lucy-Lameck-Straße, Erinnerung an die erste Frau in der Regierung von Tansania. Außer den Anwohnern wurden hierfür Historiker, Kulturwissenschaftler und „Experten aus dem postkolonialen Umfeld“ bemüht.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.