Vor knapp vier Jahren stellte der damalige deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine Art „Leitkultur“-Katalog auf. Zehn Punkte führte er im Mai 2017 in einem Aufsatz in einer großen Boulevardzeitung dazu an. Manche wirken heute etwas überholt. „Wir geben uns zur Begrüßung die Hand“, schrieb der CDU-Politiker damals zum Beispiel. Und: „Wir zeigen unser Gesicht“. Denn, so formulierte es der Minister in fragwürdigem Deutsch: „Wir sind nicht Burka.“

Heute, da die deutsche Bevölkerung aufgefordert ist, Masken zu tragen und Abstand zu halten, wirken diese Sätze wie aus einer fernen Zeit. Doch das Reizwort „Burka“ taugt noch immer als Schreckgespenst und als Symbol maximaler Fremdheit, um Abwehr zu provozieren und Affekte zu mobilisieren. Am Sonntag, den 7. März findet in der Schweiz, inmitten der Pandemie, eine große Volksabstimmung statt – über ein landesweites Verhüllungsverbot, ausgerechnet. Der Vorstoß ist auch als „Burka-Initiative“ bekannt.

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