Im Sommer 1989, als Tausende zumeist jüngerer DDR-Bürger die bundesdeutschen Botschaften in Prag, Budapest und Warschau besetzten, ließ das greise SED-Politbüro verlauten, man würde diesen Menschen „keine Träne nachweinen“. Schon im April 1989 hatte Chef-Ideologe Kurt Hager im Neuen Deutschland mit Bezug auf Gorbatschows Reformen in der Sowjetunion proklamiert, nur weil der Nachbar seine Wohnung tapeziere, müsse man sich ja nicht verpflichtet fühlen, das Gleiche zu tun.

Hagers Statement galt den resignierenden DDR-Bürgern als ultimative Ansage der Partei- und Staatsführung, nichts ändern zu wollen. In jenem Sommer 1989 also kaufte ich an der Kasse meiner Lichtenberger Kaufhalle eine Zeitschrift. Es handelte sich um das Heft 6 der Einheit, der „Zeitschrift für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus“, herausgegeben vom ZK der SED. Unter dem Signet des Karl-Marx-Ordens und seines Aufrufes „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ stand in roter Schrift das Schwerpunktthema der Ausgabe zu lesen: „Sozialismus in den Farben der DDR“.

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