Die Soldaten im Warschauer Nationalstadion sind freundlich. Ich warte nur eine Viertelstunde in der Tiefgarage. Einmal Registrieren, Hände desinfizieren, ein kurzes Gespräch mit Schwester Justyna und schon erhalte ich nach einem Jahr im Lockdown die Covid-19-Impfung. Da in Polen die Anzahl der Impfskeptiker noch höher als in Deutschland ist, kann sich der Jahrgang 1978 schon Anfang Mai registrieren. Und da in Polen die Amerikaskepsis deutlich weniger verbreitet ist als im westlichen Nachbarland, lädt mich der polnische Staat ein, nach der Biontech-Impfung, die hier alle nur Pfizer nennen, eine Uber-Fahrt nach Hause zu nehmen.

Dass zentral organisierte Staaten, schneller mit der Digitalisierung vorankommen als föderative, war mir zuvor schon aufgefallen, da meine Kinder seit März 2020 im Homeschooling über eine Google-Plattform betreut wurden, deren schulische Nutzung in vielen deutschen Bundesländern verboten ist. Ganz nebenbei hat die Republik Polen etwas eingeführt, was in der Bundesrepublik Deutschland noch Tabu ist: die Zusammenführung aller Sozialversicherungs-, Steuer- und Krankenkassendaten in einem elektronischen System auf Servern des Staates. Dank meiner ID-Nummer tauchte die Überweisung zur Impfung automatisch im System auf. Dort ist die Impfung vermerkt, ebenso wie alle anderen ärztlichen Überweisungen.

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