Die Geschichte Berlins ist reich an verhinderten Heilsbringern, gescheiterten Weltverbesserern und komischen Käuzen. Der Letzte in dieser Reihe, der vor den entschlossenen Aktivisten der Außerparlamentarischen Opposition (APO) durch Berlin geisterte (genauer: durch West-Berlin), war ein skurriler Liebesapostel, der ständig darum bitten musste, doch ernst genommen zu werden: Jakob Kuny, der Begründer der Kunylogie.

Nicht zu verwechseln mit der Kynologie, die sich mit den Erbanlagen von Hunden beschäftigt. Kuny, dem vor allem in Studentenkreisen von den 40er- bis in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts die Aufmerksamkeit galt, ist heute vergessen. Nur wenige Fotos existieren noch von ihm. Darunter eines im SPD-Archiv der sozialen Demokratie. Mit dem Aufkommen der 68er-Bewegung verliert sich seine Spur. Auch Kunys Grabstätte auf dem Friedhof am Priesterweg in der Schöneberger Kleingartenkolonie „Glück im Winkel“ ist nicht mehr auffindbar. Als die Rede war vom „Muff von 1000 Jahren unter den Talaren“ und an den Universitäten bohrende Fragen nach der NS-Vergangenheit gestellt wurden, war der harmlose, vielstimmige Studentenulk um Kuny passé.

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