Jameda ist das vielleicht bekannteste, aber auch ein umstrittenes Arztbewertungsportal. Betrieben von der Münchner Jameda GmbH, die eine Tochter der Burda Digital GmbH ist, hat Jameda laut Ärzteblatt 65.000 registrierte Kunden und listet fast 280.000 Ärzte und Zahnärzte, die alle von Patienten bewertet werden können. Es liegen nach eigenen Angaben bereits zwei Millionen Bewertungen vor. Als niedergelassener Chirurg in Berlin fiel mir vor fünf Jahren auf, dass auf meinem Jameda-Profil zahlreiche Kollegen der gleichen Fachrichtung aufgeführt waren, die fast alle bessere Bewertungsdurchschnitte hatten. Diese waren, wie ich feststellte, ausschließlich Jameda-Kunden, und durch einen einfachen Klick erfuhr man sofort die Entfernung von meiner zu deren Praxis. Die Portal-Kunden selbst hatten keine konkurrierenden Vergleichspraxen in ihren Profilen.

Daraufhin suchte ich im Internet nach dem Zufallsprinzip verschiedene Ärzte mit unterschiedlichen Facharztausrichtungen in verschiedenen Städten und wertete deren Jameda-Profil aus. Unter den 100 Jameda-Kunden, die ich herausgepickt hatte, waren kaum schlecht bewertete Ärzte, aber unter den 100 Nichtkunden viele. Mit dieser Vergleichsliste wendete ich mich unter anderem an den Datenjournalisten Tin Fischer, der daraufhin eine sehr viel größere Datenmenge mit 6500 Ärzten auswertete und am 18. Januar 2018 in der Zeit einen Artikel publizierte. Auch seine Recherche hatte ergeben, dass Jameda-Kunden die besseren Noten erhielten.

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