Von heute aus betrachtet, sieht es wie ein Bild aus einem Comicstrip aus: Eine Schlange von Menschen, frierend vor einem Buchladen, Sprechblasen mit Denkinhalt über den Köpfen und die Musik der Beatles aus vorbeifahrenden Autos. Unwirklich, wenn man weiß, wo es war. Ein paar hundert Meter vom Grenzübergang Bernauer Straße.

Der Tag, an dem die Realität in meine Wirklichkeit brach, politisiert wie nie zuvor. Es war der 10. Dezember. An diesem Tag vor 40 Jahren war ich ein Schüler, Klasse 10, und stand Schlange in der Chausseestraße. Es war der westlichste Zipfel Ost-Berlins. Naturkundemuseum und Nordbahnhof waren nicht weit. Und hätte ich es gewusst, hätte ich darauf achten und die U-Bahn durch die Geisterbahnhöfe unter der Straße rollen hören können. Es war das Grenzland Berlin, ein Chronotop zweier Städte, zweier Staaten, zweier Systeme, die hier geballt wie nirgendwo aneinanderstießen.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.