Das Thema Ökologie, Nachhaltigkeit, die Rettung der Welt beschäftigt alle Menschen, nicht nur, weil gerade Wahlkampf ist. Wir fragen uns: Wird die Erde untergehen oder nicht? Wer könnte oder wollte diese Frage abschließend beurteilen? Für jeden erkennbare Fakten liefern derzeit jedoch ein düsteres Bild. Es liegt nahezu auf der Hand, dass die Menschheit den Punkt erreicht hat, wo der Schaden, welcher der Erde zugefügt wurde und weiter zugefügt wird, so groß ist, dass man sich fragen muss: Ist eine Umkehr überhaupt noch möglich?

Ich, als Tierschützer und Weltreisender, stellte schon seit langem fest: Die Entwicklung zum Schaden der Erde ist bereits vor der Jahrtausendwende allen ins Bewusstsein gerückt worden. Mit jedem Jahr erhalten die Menschen – auch durch die moderne Kommunikation – immer mehr Informationen über das Ausmaß der Zerstörung, die gesundheitlichen Schäden, die Umweltgifte den Organismen zufügen und die Vernichtung der Artenvielfalt.

Öko-Heidelbeeren eingepackt in Plastik

Mit jedem Jahr nimmt dennoch die destruktive Einwirkung auf nahezu allen Kontinenten weiter zu. Wie passt das zusammen? Wir schauen in den Fernseher, verurteilen nach negativer Berichterstattung die Verursacher oder belobigen die Initiatoren von Umweltprojekten. Dann ging ich wieder aus dem Haus. Zuerst auf die Straße. Dort blies mir das Hinterteil des abfahrenden Busses schwarze Abgase ins Gesicht. Ich musste husten. Keuchend ging ich in den Ökosupermarkt.

Heidelbeeren kaufen für mein vegetarisches Frühstück, als Geschmacksaufheller für die faden Flocken. Die Heidelbeeren lagen in einer Plastikschale aus nicht recyceltem Material. Dann zur Kosmetikabteilung. Das Duschgel in Plastik. Der Essig in einer Plastikflasche. Was mache ich hier? Das Doppelte zahlen, um die Ausweglosigkeit auch bei den Ökohelden zu erleben?

Wieder auf der Straße fährt eines der über eine Million in Deutschland verkauften neuen Elektroräder an mir vorbei. Mit einem der auf die Gesamtmenge von viertausend Tonnen entfallenden Lithium-Ionen-Akku, dazu Elektrolyt, Kobalt, Mangan, Schwermetall. Voll modern. Da kommt noch eines. Ein Leichtrad aus Vollkunststoff. Recycelt? Nein. Das kann oder macht wohl noch niemand.

Nun denn, dann gehe ich mal zu Toni, meinem Freund – den werde ich fragen, was man tun kann, um der Umweltmisere beizukommen. Ich drücke auf einen weißen Knopf auf dem Klingelbrett aus einer Reihe von Plastikschildern. Dann gehe ich hoch zu Toni. Der putzt sich gerade die Zähne, natürlich mit superweichem Plastik. Die Zahncreme hält er in der Hand. Plastik. Mülleimer, Plastik. Wischeimer, Schrubber, Lampe, alles Plastik. Mir wird schwindelig. Es wird nicht möglich sein, fliegt der Satz durch mein Hirn.

Was sollen wir nur tun, um die Welt wieder in eine gesunde Flugbahn zu bringen? Es wird wohl nicht möglich sein. Nicht möglich, die Welt zu retten? „Nicht mit uns“ – geht es mir durch den Kopf. Wir sind schnell mit der Zunge, schnell mit dem Enthusiasmus. Wir sind doch alle dafür. Oder? Aber können wir auf den Klodeckel aus Plastik verzichten. Können wir wirklich den Widerspruch auflösen: Reden ja, handeln nein.

Was tue ich jetzt? Ich bin auch einer von denen, ist mir aufgefallen. Gehe ich zur Brücke, die über die Schnellstraße führt, und stürze mich vor einen Lkw? Das käme auch der Überbevölkerung zugute. Oder kann ich anfangen, wirklich dazu zu stehen.

Die Welt retten, Schritt für Schritt 

Ich werde anfangen. Einen Schritt nach dem anderem. Denn ich will weiterlaufen auf dieser Erde. Meine Schritte gehen. Meinen Weg. Wie Gandhi. Gradlinig, so gut es geht. Zu Hause angekommen, setze ich mich an den Schreibtisch und tippe meine Erlebnisse, meine Gedanken in die Tasten. Alle reden und nichts passiert. An manchen Stellen wird es sogar weiterhin schlimmer. Welche Wege gibt es, dem Einhalt zu gebieten? Erst einmal will ich alle an meinem Vormittag beteiligen. An der Bewusstseinsbildung. Das könnte auch eine Lösung sein, mit der wir dann gemeinsam die Welt in einen blühenden Acker verwandeln können, in die richtige Flugbahn manövrieren. Dadurch, dass wir uns darüber bewusst werden, wo wir stehen, wer schuld an der Misere ist – UND – ein Wort daraus ableiten: Stopp! Verweigerung, da mitzumachen, ist einer der Wege.

Dann setze ich mich an den Computer, der inzwischen aus recyceltem Material ist. Zwar nicht wie der Metall-PC meiner Freundin, aber immerhin – und schreibe ein Buch. Ein Buch, das der Bewusstseinsbildung dient. Gedruckt auf recyceltem Papier. 

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