Berlin - Im Jahr 1984 eroberte die britische Band Frankie goes to Hollywood mit einem Album die Spitze der Charts, welches das hedonistische Zeitgefühl ihrer Generation mit Wucht auf die Tanzböden schleuderte: „Welcome to the pleasuredome“, willkommen im Tempel der Lust. Dicht an dicht, im Schweiße ihrer ekstatisch zuckenden Körper, huldigte die Jugend in den Clubs von Soho dem hämmernden Sound der in Liverpool gegründeten Punk-Formation. Einzig das grelle Vergnügen zählte zu jener Zeit, in der das Tempo kein Limit und die Nacht kein Morgen kannte – bis das Humane Immundefizienz-Virus, auch HIV genannt, dem Rausch ein jähes Ende bereitete. Vorbei war es mit der ungehemmten Leichtigkeit – der Kater schmeckte bitter, der Tod stand im Raum.

Alle Vergleiche hinken, und doch stehen wir heute an einem ähnlichen Punkt. Noch Anfang 2020 wähnten wir uns in einem Zeitalter, das keine Grenzen mehr kannte: Wir konnten reisen, wohin wir wollten, essen und trinken, wonach uns der Sinn stand, und maximale Nähe zu unserem Gegenüber suchen. Wir drückten jede Hand, badeten in der Menge und quetschten uns in Busse und Bahnen. Alles schien erlaubt – bis ein bis dahin unbekanntes Virus seinen teuflischen Feldzug antrat. Rund 116 Millionen Menschen haben sich seither weltweit mit Corona infiziert, fast 2,6 Millionen mussten ihr Leben lassen.

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