Der Kunger-Kiez hat eine bewegte und grüne Vergangenheit. Direkt an der Mauer gelegen und als Sperrbezirk ausgewiesen, standen die Bewohner*innen zu DDR-Zeiten unter besonderer Beobachtung der Behörden. Trotzdem gab es zahlreiche Fluchtversuche über die nahe Harzer Straße. 1992 besiedelte eine Wagenburg ein Mauer-Grundstück in der Lohmühlenstraße, direkt am Landwehrkanal und an der Grenze zu Kreuzberg und zum Görlitzer Park. Zwischen den Wohnwagen entstand eine Naturoase mit Pflanzenkläranlagen, Hochbeeten und Solaranlagen.

Als ab 2009 Baugruppen Brachen im Kiez bebauten und dabei auch bewachsene Flächen beräumten, gab es heftige Auseinandersetzungen mit Anti-Gentrifizierungs-Aktivist*innen. Der Kampf gegen die neu angekommene „Bionade-Bourgeoisie“ wurde verbal, mit Farbbeuteln und mit Sachbeschädigungen an den Neubauten ausgetragen. Wieder ein Jahr später bepflanzten Anwohner*innen in der Karl-Kunger-Straße Baumscheiben vor ihren Häusern. Das Köpenicker Tiefbauamt schritt ein und räumte die Installationen ab – wegen „Stolpergefahr“. Als direkte Reaktion gab es eine Guerilla-Gardening-Aktion vorm Tiefbauamt, die es bis in die rbb-Abendnachrichten schaffte. Inzwischen wird diese Art des Bürgerengagements von Tiefbauamt und Grünflächenamt unterstützt und die Anwohner*innen feiern – in Erinnerung an ihren damaligen Sieg – alljährlich ein Baumscheibenfest. Kurz: Der Kiez kämpft um sein Grün und der jüngste Beweis dafür ist die Klima-Koalition aus Aktivist*innen und dem Team des lokalen Edeka-Marktes.

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