Die Operation „Spade“ („Spaten“) begann an einem Herbsttag im Jahr 2010. Der kanadische Undercover-Polizist Paul Krawczyk loggte sich in eine anonyme Webseite ein, gab sich als Kunde aus und lud Fotos auf seine Festplatte herunter. Darauf zu sehen: „Entsetzliche sexuelle Handlungen an Minderjährigen, so schlimm wie wir sie selten gesehen haben.“ So jedenfalls beschrieben es die Ermittler im November 2013 auf einer Pressekonferenz in Toronto.

Krawczyk und seine Beamten hatten hinter der Webseite schließlich eine der weltweit größten kinderpornografischen Sammlungen entdeckt, die Ermittler je zu Gesicht bekommen hatten. Es dauerte Wochen, bis die Ermittler den mutmaßlichen Hintermann der Webseite ausfindig machten: Brian W., Eigentümer des kanadischen Video-Handels „Azov Films“. Der 42-Jährige war den Ermittlern schon Jahre zuvor als Besitzer eines Vertriebes für sogenannte Naturalisten-Aufnahmen aufgefallen. Sie konnten ihn wegen fehlenden Beweismaterials aber nicht dingfest machen, und W. tauchte unter.

Auch diesmal hatte Krawczyk kein leichtes Spiel mit ihm. Immer wieder entzog sich W. dem Zugriff der Ermittler und lehnte auch regelmäßig „Bestellungen“ ab, die die Polizisten getarnt aufgegeben hatten. Im Mai 2011 aber war es dann soweit: Bei einer Razzia in W.s Privat- und Büroräumen in einem Industriegebiet im Westend von Toronto stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter 500 Filme und knapp 300.000 Fotos. Auf einigen der Aufnahmen sollen Kinder in eindeutigen sexuellen Posen zu sehen sein. Wie sich später herausstellte, stammten viele der Aufnahmen aus der Ukraine und Rumänien und waren vermutlich von W. selbst in Auftrag gegeben und dann weltweit vermarktet worden.

Die Ermittler fanden auch die internationale Kundenliste W.s, die laut Spiegel-Bericht womöglich auch Hinweise auf den SPD-Politiker Sebastian Edathy enthielt. Die Kunden kamen aus 50 Ländern, darunter auch aus Deutschland, Spanien, Mexiko und Australien. Der Kanadier soll mehr als vier Millionen Dollar Gewinn kassiert haben.

386 Kinder befreit

Die Kundenliste, so die Ermittler, umfasste scheinbar unbescholtene Bürger – Lehrer, Priester, Polizisten, Ärzte, Pflegeeltern, Sporttrainer, Pfadfinder und Journalisten. Die Kanadier gaben die Namen zunächst an die US-Behörden weiter, später an Interpol.

In den Folgemonaten kam es im Rahmen der Operation „Spaten“ weltweit zu 384 Festnahmen, 108 allein in Kanada. In Nordamerika wurden die Ermittlungen im Herbst 2013 abgeschlossen, in vielen anderen Ländern dagegen dauern sie noch an. 386 Kinder wurden im Rahmen der Ermittlungen aus den Fängen ihrer Schänder befreit, die allermeisten von ihnen in den USA und Osteuropa.

Brian W. sitzt derweil in Kanada in Untersuchungshaft und sieht sich 24 Anklagepunkten gegenüber.