Für die SFB-Radiowelle B Zwei wird es eng. Die Geschäftsleitungen von ORB und SFB beraten heute über die Kooperation der beiden Anstalten. Dabei geht es auch um Radio B Zwei. Es kann sein, daß die Station in einer Fusion aufgeht. Durch die Unsicherheit genießen die Mitarbeiter von Radio B Zwei jetzt ungewohnte Freiheiten. Statt vorgeschriebener Musiktitel bestücken sie das Programm mit CDs aus dem heimischen Plattenschrank. Noch vor einem halben Jahr wäre dies mit einer harschen Rüge geahndet worden, doch B Zwei-Wellenchef Axel Svehla ist nur noch körperlich präsent. Mit einem Strauß voller Vorschußlorbeeren hatte der ehemalige FFN-Mitarbeiter 1993 die Nachfolge von Barbara Wesel angetreten. Er sollte das vom Abstieg bedrohte Programm zu neuen Ufern führen. Doch der Mann aus Hannover navigierte das einst erfolgreichste SFB-Programm vollständig ins Quotenloch. Nach den desaströsen Ergebnissen der diesjährigen Media Analyse, bei der Radio B Zwei nur noch auf einen Marktanteil von 1,7 Prozent in Berlin kam, übernahm er die Verantwortung und erklärte seinen Rücktritt, nicht jedoch seine Kündigung. Svehla hat einen Fünf-Jahres-Vertrag und wird den SFB auch weiterhin um pünktliche Überweisung seines Honorars angehen.Seit einem halben Jahr wissen die Mitarbeiter von B Zwei nicht, wie es weitergeht. Damit stehen sie nicht allein. Selbst SFB Hörfunkchef Jens Wendland zuckte monatelang nur mit den Schultern: "Kein Kommentar". Eine Reform von Radio B Zwei ist abhängig von einer völligen Neuordnung des Hörfunks von SFB und ORB, welche die Geschäftsleitung beider Häuser seit Monaten ankündigen.Mit der "Neustrukturierung der Hörfunkwellen" wollten SFB und ORB zeigen, daß sie auch ohne formelle Fusionsentscheidung zusammenarbeiten können. Als Ergebnis verschiedener Prüfaufträge verständigten sich beide Hörfunkdirektoren im Sommer auf die Umrisse eines neuen Kooperationsmodells. Drei der zusammen acht Hörfunkwellen sollten neu sortiert werden. Doch bevor es konkret wurde, erlahmte der Reformprozeß. Der ORB mußte zunächst die Nachfolge für den Hörfunkdirektor Gerhard Hirschfeld regeln. Seit Anfang Dezember ist seine Nachfolgerin Hannelore Steer im Amt. Heute treffen sich die Chefetagen von ORB und SFB um auszuloten, ob es weitere Kooperationen gibt. Bis Ende Dezember will Steer Ergebnisse sehen. Nach den Plänen von ORB Intendant Hansjürgen Rosenbauer sollen SFB 3, Radio Brandenburg und Radio B Zwei zu einer gemeinsamen klassischen Kulturwelle und einem schnellen Szene-Kulturradio (Arbeitstitel: "Fritz für Erwachsene") verschmelzen und - wenn dann noch "Kraft, Geld und Frequenzen" da sind -, sei noch ein Klassikradio denkbar. Die Kulturwelle könne in Berlin, das Trendradio in Potsdam angesiedelt werden, damit die räumliche Nähe zum Original, Fritz, gewährleistet werde. Sollten SFB und ORB sich einigen, dann werde "kein Stein auf dem anderen bleiben", so ORB-Sprecherin Pia Stein. Die internen Widerstände sind programmiert. Doch bevor die Personalräte handeln können, müssen sich die beiden Sender auf Standort, Federführung, finanzielle und personelle Ausstattung der neuen Wellen verständigen. Was der ORB zum Beispiel "Fritz für Erwachsene" nennt und aus der Feder von Fritz-Chef Helmut Lehnert stammt, heißt beim SFB "B Zwei neu" (Autor: 88 8 Chef Florian Barckhausen) und ist eng an die Organisationsstruktur des SFB angelehnt. Hannelore Steer meint zwar, man sei "weit über Absichtserklärungen hinaus", aber, so ihr Chef Hansjürgen Rosenbauer, "es kann durchaus sein, daß beide Sender zu dem Ergebnis kommen, es ist noch nicht so weit". Die Mitarbeiter von Radio B Zwei tragen es mit Galgenhumor und schieben die nächste CD rein: "Radio B Zwei - Wenn alles egal ist". +++