Ortsderby im Zeichen der Trauer um Stéphane Morin: Den Capitals-Spielern ist freigestellt, ob sie auflaufen

BERLIN, 8. Oktober. Es war eine Art Stéphane-Morin-Gedächtnistraining, das die Berlin Capitals am Donnerstag abhielten. "Wir haben Bago-Bago gespielt, das ist fünf gegen fünf im gegnerischen Drittel. Stéphane liebte wegen seiner guten Technik dieses Spiel, doch es stand lange nicht auf dem Trainingsprogramm", so Coach Dale McCourt.Dem Kanadier fällt die ungemein schwierige Aufgabe zu, seine Mannschaft auf das Ortsderby am Samstag bei den Eisbären vorzubereiten. "Ich kann nicht in die Köpfe schauen", ist er sich unsicher, welche Spuren der plötzliche Tod des 29jährigen hinterlassen hat. "Das Schwierigste wird sein, jene Aggressivität aufzubauen, die nun einmal für ein Eishockeyspiel nötig ist."Roger Wittmann, der Generalbevollmächtigte der Caps, trat nach dem Training vor die Mannschaft und stellte den Akteuren frei, gegen die Eisbären aufzulaufen oder nicht. "Wir haben volles Verständnis dafür, wenn jemand sagt, er kann es nicht. Das muß jeder selbst wissen."Innerhalb der Mannschaft gab es natürlich Stimmen, die die Partie lieber verschoben hätten. Ein normales Match kann es nun mal nicht werden, das wissen alle. "Mehrheitlich haben wir uns entschieden zu spielen", sagt Kapitän Paul Broten. "Damit ehren wir Stéphane am besten." Der Tote hinterlasse eine große Lücke, sowohl menschlich als auch sportlich. "Ein Mittelstürmer seines Kalibers ist schwer ersetzbar." Gegen die Eisbären fällt dem Kanadier Guy Phillips die Rolle zu, in die Reihe neben Sylvain Couturier und Robert Guillet zu rücken. "Das belastet ungemein, auf die Position von Stéphane zu rücken", zeigte sich Phillips sichtlich berührt. "Aber wir sind alle Profispieler und müssen unserem Job nachgehen, ob es uns paßt oder nicht. In jedem anderen Beruf ist das schließlich auch so."Bei den Capitals sind inzwischen unzählige Briefe und Faxe mit Beileidsbekundungen eingetroffen. "Was mich besonders bewegt, ist, daß ein großer Stapel von Eisbären-Fans gekommen ist", sagt Roger Wittmann. "Das beweist mir, daß wir in dieser Stadt, der deutschen Eishockey-Hauptstadt, zu einem Miteinander kommen können."Auch der EHC Eisbären hat kondoliert und den Capitals sofort angeboten, das Spiel zu verlegen. Vom Tode Morins ist vor allem Kapitän Marc Fortier betroffen, der mit seinem Landsmann seit den gemeinsamen Zeiten im Juniorenteam von Chicoutimi eng befreundet war.Fortier kümmert sich derzeit um die Familie, wird am kommenden Dienstag auch mit Morins Ehefrau Karen die Leiche nach Montreal überführen. Die Eisbären haben den Stürmer bis zum 18. Oktober für diese gewiß nicht leichte Aufgabe freigestellt, so daß Fortier beim Ortsderby fehlt. Besonders nahe geht der tragische Unglücksfall auch den Eisbären-Cracks Chris Govedaris und Yvon Corriveau, die einst gemeinsam mit Morin in Minnesota dem Puck hinterherjagten. Während es am Freitag und Sonnabend vor allen DEL-Partien eine Trauerminute gibt, werden die Caps beim Heimspiel am Sonntag gegen Augsburg ihres ehemaligen Spielers zusätzlich mit einer Kerzenaktion gedenken. Der Senat gab dafür trotz brandschutzrechtlicher Bedenken sein Einverständnis.