Otto Hauser ist am Dienstag der meistgefragte Mann in Bonn. Beinahe wie beim Defilee nimmt der 45jährige Schwabe mit dem vollen silbergrauen Haar vor der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Glückwünsche der Abgeordnetenkollegen entgegen. Der neue Sprecher der Bundesregierung gilt bei vielen in der Fraktion als beliebt. Der stellvertretende Fraktionschef Gerhard Friedrich, der der CSU angehört, sagt: "Mit dem Otto Hauser kann ich gut, den kenne ich schon aus den Zeiten von der Jungen Union."Dem gelernten Journalisten Hauser mangelt es nicht an Selbstbewußtsein. Das hat er bei seinen ersten Fernsehinterviews gleich bewiesen. Auf die Frage nach der Qualität seines entlassenen Vorgängers Peter Hausmann (CSU) erklärt er in einer Morgensendung ganz offen: "Also man hätte vieles besser machen können. Das ist gar keine Frage." Das liege "aber nicht alleine am Regierungssprecher".Hauser wird beim Kanzler offenbar jenen Zugang zu Top-Informationen erhalten, der Hausmann zumeist verwehrt blieb. "Aber selbstverständlich, ohne das ist es nicht zu machen", sagt der neue Parlamentarische Staatssekretär. Darüber habe er mit dem Kanzler gesprochen, die Chemie zwischen ihnen stimme. Stolz fügt er hinzu: "Ich hatte schon früher immer den Zugang zum Bundeskanzler."Das stimmt. Der Kanzler schätzt die Landesgruppe der baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten als zuverlässige Truppe. Ein wesentlicher Grund liegt darin, daß sie von Otto Hauser geführt wird. Dieses parlamentarische Amt will er auch künftig nicht aufgeben. Als Sprecher aller Landesgruppen der Unionsfraktion verfügte er auch darüber hinaus über Einschätzungen, die ihn für Kohl als Gesprächspartner und Stimmungsbarometer interessant machten.Immer stärker wird Kohl in seinem engeren Umkreis nun von Baden-Württembergern umgeben. Die beiden Staatsminister im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer und Anton Pfeiffer, stammen wie Hauser und auch CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble aus dem "Ländle". Schmidbauer und Hauser kamen 1983 gemeinsam in den Bundestag und unternahmen als Neulinge vieles gemeinsam; Pfeiffer und Hauser verkehren per "du".In der CSU halten einige Abgeordnete, die sich ihrem geschaßten Parteifreund Hausmann freundschaftlich verbunden fühlen, derweil ihre Emotionen nur mühsam im Zaum. Vor allem die Art und Weise der Entlassung Hausmanns stößt manchen bitter auf. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos versucht sich am Dienstag gar nicht erst zu verstellen. "Wir können dem Kanzler bei seiner persönlichen Entscheidung nicht in den Arm fallen", sagt Glos zwar. Aber "wir haben das natürlich nicht mit Freude gesehen". Hausmann, erinnert Glos, sei schließlich vor drei Jahren "der Wunschkandidat auch von Kohl" gewesen. Für den Nachfolger findet Glos lediglich ein ironisches Lob: So eine Art "Pontifex Maximus" sei der Hauser bislang als Sprecher der Landesgruppen in der Fraktion gewesen, "zuständig für Friede, Freude, Eierkuchen".