Berlin lässt seinen Schwanz nicht hängen." Es war der AL-Abgeordnete und spätere grüne Justizsenator Wolfgang Wieland, der vor 20 Jahren das Gebot brach, das da heißt: no joke with names (Keine Witze über Namen). Es war aber auch einfach zu verlockend gewesen. Wieland war damals hartnäckiger Aufklärer im Untersuchungsausschuss um den Antes-Skandal, benannt nach dem früheren Baustadtrat von Charlottenburg, Wolfgang Antes. Dieser Skandal erschütterte Mitte der 80er-Jahre West-Berlin und brachte einige Stadträte ins Gefängnis. Das Wort vom "Berliner Sumpf" wurde geprägt und stand für eine kriminelle Verquickung zwischen Politik, (Bau)-Wirtschaft und Unterwelt. Die Hamburger Wochenzeitung Zeit schrieb damals über die "erstaunlichen Verbindungen zwischen der CDU und der Unterwelt". Eine der Schlüsselfiguren dieses Sumpfes: Otto Schwanz, Beruf: Bordellbetreiber und Ganove. Jetzt ist Otto Schwanz tot. Er starb vergangenen Sonntag im Alter von 63 Jahren an Krebs. Wieder ist ein Stück West-Berlin gestorben, diesmal ein besonders schillerndes.So schön Wolfgang Wielands Bonmot damals war, so falsch war es auch. Die Stadt ließ ihren "Bordell-König", oder auch ihre "Rotlicht-Legende" - so nannten Boulevard-Zeitungen Otto Schwanz - sogar schmoren. Er wurde 1987 zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Otto Schwanz, langjähriges Mitglied der CDU-Wilmersdorf, war mit 50 000 Mark ins Amtszimmer von Parteifreund Wolfgang Antes gekommen. Gegenleistung: Ein Strohmann von Schwanz erhielt den Pachtvertrag für das Café Europa im Europa-Center direkt am Wasserklotz - mutmaßlich eine Goldgrube und gleichzeitig ein Ersatz für Schwanzens Pleite gegangenes Etablissement Blauer Engel an der Budapester Straße. Dieses war 1981 kurz vor der Zwangsräumung ausgebrannt. Die Bestechung kam heraus, der bestechliche Politiker erhielt fünfeinhalb Jahre Knast, als immer mehr Details auch über andere Geschäfte herauskamen, mussten die CDU-Senatoren Klaus Franke (Bau) und Heinrich Lummer (Inneres) sowie Horst Vetter (Umwelt) von der FDP gehen. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verlor die folgende Abgeordnetenhauswahl, Sozialdemokrat Walter Momper zog ins Rathaus Schöneberg ein, die Law-and-order-Partei Republikaner kam auf 7,5 Prozent der Stimmen.Otto Schwanz fiel tief. War er vorher einer der Stars der Unterwelt mit besten Kontakten zu Politik und Presse gewesen, so wurde es mehr als zehn Jahre lang still um ihn. Nur einmal irrlichterte er noch durch die Zeitungen, als er behauptete, er wolle die Hertha-Villa in Westend kaufen und daraus einen Puff machen. Doch der damals klamme Verein mochte nicht verkaufen. 1998 stand Schwanz dann wieder vor Gericht: Er hatte dem Druckereibesitzer Hans-Joachim H. hunderte gefälschte BVG-Monatsmarken für 7,50 Mark pro Stück abgekauft und für 15 Mark verscherbelt. Schon vorher hatte Hans-Joachim H. vietnamesische Pässe und 100-Dollar-Noten (Nennwert: 1,7 Millionen Mark) gedruckt. Auftraggeber war nach Überzeugung des Gerichtes Otto Schwanz. Die Pässe und Dollars kamen allerdings nie in Umlauf, weil die Polizei das Telefon des Druckers abgehört hatte. Die Qualität der Blüten soll im Übrigen so schlecht gewesen sein, dass der Richter sagte: "Schön bunt sind sie ja." Schwanz wurde wegen Wertzeichenfälschung und Anstiftung zur Geldfälschung zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis wurde er schwer krank. 1999 erlitt er einen Herzinfarkt. "Das Ganze ist ein Skandal. Mein Vater ist ein schwer kranker Mann. Warum wird der Rest nicht auf Bewährung erlassen?", fragte damals Tochter Birgit in der Bild-Zeitung. Zuletzt lebte Schwanz nach eigener Auskunft von Arbeitslosengeld. Gelegentlich habe er in seinem erlernten Beruf als Fliesenleger gejobbt. Am 18. September soll Schwanz auf dem evangelischen Kirchhof Rixdorfer Straße in Neukölln beerdigt werden. Seine Asche kommt ins Grab seiner Mutter, der zuliebe er seinen markanten Nachnamen nie abgelegt hatte.Zuletzt hatte Schwanz manchmal als Fliesen-leger gejobbt.ULLSTEIN/STARK-OTTO Im Mittelpunkt des Antes-Skandals: 1987 wurde Otto Schwanz zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.