Bei der FDP dürfte ein echtes AHA-Erlebnis ausgelöst haben, was der Spiegel und der Parteienforscher Franz Walter bei seiner Aufklärung pädophiler Politikversuche der 80er-Jahre jetzt aus dem Archiv fischten: Veranstaltungshinweise, Bundestagsprotokolle und Parteipapiere beweisen, dass vor 30 Jahren nicht nur einzelne Grüne pädophile Positionen unterstützten, sondern auch einzelne Liberale – bis hinein in die FDP-Bundestagsfraktion.

Für die zweifelhaften „Sexualreformer“, die die Strafbarkeit von Sex mit Minderjährigen abschaffen wollten, sei die Parlamentsvertretung der Partei sogar „eindeutig der Ansprechpartner Nummer eins“ gewesen, sagt Walter. So sorgte der Berliner FDP-Landesverband etwa dafür, dass die Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft (AHA) Steuergelder für ihre Arbeit erhielt – obwohl deren „AG Pädophilie“ Sex zwischen Erwachsenen und Kindern erlauben wollte.

Als die Freidemokraten 1982 ihren Bundesparteitag in West-Berlin abhielten, lud die AHA die Parteimitglieder gar zur Fete mit „Discothek und Diskussion“ nach Kreuzberg. Willkommen seien „Lesben und Liberale, Schwätzer und Schwestern, Prominente und Päderasten“, heißt es in der Einladung, die unten rechts das FDP-Logo ziert.

Die FDP veranstaltete 1981 sogar eine Anhörung im Bundestag, bei der pro-pädophile Sexualforscher wie Helmut Kentler dozierten. Der berichtete von einem Projekt in Berlin, bei dem er 13- bis 15-Jährige, die an „sekundärem Schwachsinn“ litten, gezielt bei Päderasten unterbrachte: „Weil sie in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren.“ Aus der FDP-Fraktion gab es keine Nachfragen.

Auch personell sei die FDP mit einschlägigen Gruppen verflochten gewesen. Erst vor drei Wochen zog die Wiesbadener FDP-Frau Dagmar Döring ihre Bundestagskandidatur zurück, als ein Pro-Pädophilie-Text von ihr aus dem Jahr 1980 bekanntwurde.

Die FDP wollte sich auf Anfrage der Berliner Zeitung am Sonntag nicht dazu äußern. Während die Grünen nach ähnlichen Enthüllungen den Aufklärungsauftrag an Walter erteilt hatten, bleibt es so beim Satz von FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die das Thema jüngst mit dem Satz abwürgte: „Pädophilie war und ist in der FDP kein Thema. Nicht in der Geschichte – noch weniger in der Gegenwart.“