Einhundert Pakete schickten die Tester der Stiftung Warentest mit zehn Paketdiensten im Spätsommer quer durch Deutschland -mehr als 40 von ihnen kamen beschädigt beim Empfänger an. Eine erschreckend hohe Zahl. Zugegeben, in den Paketen befanden sich Teller, Gläser und ein Bilderrahmen, diese jedoch so gut verpackt, dass sie vorher einen Sturz von einem 80 Zentimeter hohen Tisch unbeschadet überstanden hatten. Das Werbeversprechen etwa der Post-Tochter DHL, "unsere Mitarbeiter gehen mit Ihrem Eigentum höchst sorgsam um", scheint da wenig glaubhaft.Wer haftet nun dafür, wenn ein Paket beschädigt ankommt? Und was kann der Kunde tun, um seine Ansprüche geltend zu machen? Grundsätzlich liegt die Haftung beim Paketdienst, und zwar auch dann, wenn er einzelne Versandtypen nicht mit einer Versicherung abgedeckt hat. So sind Pakete bei allen Diensten mit 500 Euro oder mehr versichert -beim Transporteur Iloxx gegen eine Zusatzgebühr. Das klassische Päckchen bietet die DHL dagegen seit jeher ohne Versicherungsschutz an. Diesen bis zu einer Höhe von 25 Euro kann der Postkunde seit 2006 gegen einen Aufpreis von einem Euro dazukaufen. Allerdings nur dann, wenn er diese Zusatzleistung bei einer Online-Frankierung über das Internet hinzubucht. Die Konkurrenzfirmen Hermes, DPD und GTS Post versichern dagegen auch Päckchen mit 500 bis 750 Euro. In seinen Geschäftsbedingungen kann ein Paketdienst darüber hinaus auch bestimmte Waren von einer Haftung grundsätzlich ausnehmen. Wertvollen Schmuck, Geld oder Edelsteine etwa, aber auch lebende Tiere, verschickt der Kunde in der Regel auf eigenes Risiko.Doch selbst wenn die Haftung grundsätzlich beim Transportunternehmen liegt, bürdet der Gesetzgeber dem Versender und dem Empfänger einige Pflichten auf. Etwa, dass der Absender das Gut so verpacken muss, dass es vor Beschädigung geschützt ist. Das regelt das Handelsgesetzbuch.Schaden sofort meldenDer Kunde muss zudem den Schaden an dem Paket beweisen. "Zeugen oder ein Foto sind immer gut", sagt Susanne van Cleve von der Verbraucherzentrale Berlin. War die Ware ordentlich verpackt und wurde dennoch beschädigt, liegt die Ursache dafür offensichtlich beim Paketdienst. Die Posttochter DHL lässt die Güte der Verpackung dennoch von einer eigenen Begutachtungsstelle prüfen. Ganz wie früher, als die Post noch eine Behörde war und die Paketbeförderung noch Staatsauftrag. Der Empfänger muss das kaputte Paket dazu in einer Postfiliale abgeben.Außerdem muss der Empfänger einen Schaden unverzüglich melden. Ist das Paket bei der Lieferung von außen sichtbar beschädigt, noch am selben Tag - er kann es auch direkt dem Paketboten sagen. Bei den DHL-Packstationen gelten die gleichen Regeln. "Der Kunde sollte mit dem beschädigten Paket innerhalb von 24 Stunden zu einer Postfiliale gehen und den Schaden melden", sagt sagt DHL-Sprecherin Dunja Kuhlmann.Befindet sich der Schaden im Inneren der Sendung, muss die Anzeige innerhalb von sieben Tagen in Textform erfolgen. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung. Dies hat der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) vor einem halben Jahr noch einmal gerichtlich klären lassen (Az: 3U 160/09). Denn in den Geschäftsbedingungen der DHL war bis dahin unklar, ob die Anzeige nicht schon innerhalb der Wochenfrist eingegangen sein muss. Außerdem war nicht eindeutig, wie die Meldung zu erstatten sei. Die Richter des Oberlandesgerichts Köln stellten klar: Ob per Brief, Fax, E-Mail oder in einem Internet-Formular -jede Textform ist erlaubt.Das Transportunternehmen ersetzt den Schaden meist in der Höhe des Marktwertes. Bei Neuware ist das der Kaufpreis des Artikels. Hat der beschädigte Inhalt des Pakets noch einen Restwert, wird die Differenz erstattet.Die undurchsichtige Lage zur Haftung im Schadensfall wird durch die Vielzahl der Paketdienste nicht übersichtlicher. Die Stiftung Warentest fand zum Beispiel Mängel in den Geschäftsbedingungen von neun der zehn untersuchten Unternehmen, bei den Paketdiensten Iloxx, Eparcel und GTS Post sogar besonders schwerwiegende. Vom Verbraucherzentrale-Bundesverband heißt es dazu, die Geschäftsbedingungen seien für den Kunden kaum transparent.Lina Ehrig, Referentin für Telekommunikation und Post beim VZBV, bezweifelt zudem, dass die Regelungen des Handelsgesetzbuchs überhaupt noch zeitgemäß sind. Die Folge ist, dass der einzelne Geschädigte auf das Wohlwollen der Unternehmen angewiesen sei. "Ich habe den Eindruck, dass ein Großteil der Schadensabwicklung über Kulanz läuft", sagt Ehrig. Tatsächlich verzeichnen sowohl der VZBV als auch die Verbraucherzentrale Berlin kaum Beschwerden über durch Paketdienste beschädigte Sendungen.Doch selbst wenn im konkreten Einzelfall der Kunde den Schaden durch das Entgegenkommen des Transporteurs ersetzt bekommt, hält VZBV-Referentin Lina Ehrig diese Verhältnisse für unbefriedigend: "Bei einer Kulanz ist der Kunde vom guten Willen eines anderen abhängig. Viel wichtiger wäre, dass er Rechtssicherheit hat."------------------------------Foto: In diesen Tagen stapft der Postbote durch Schnee und Eis. Kein Wunder, wenn manch ein Paket beschädigt ankommt.