Pakistan: Taliban-Chef gegen Gespräche mit Regierung

Die pakistanischen Taliban haben Maulana Fazlullah aus dem Swat-Tal zum neuen Chef der Taliban-Dachorganisation gewählt. Er ist damit Nachfolger des bei einem US-Drohnenangriff getöteten Anführers Hakimullah Mehsud. Die Entscheidung fiel in einer Schura, dem oberste Rat, sagte Taliban-Sprecher Sajjad Momand am Donnerstag. Mehsud war am vergangenen Freitag vor geplanten Friedensgesprächen zwischen den Taliban und Vertretern der Regierung getötet worden.

Verantwortlich für Malala-Attentat

In den Jahren 2007 bis 2009 war Fazlullah dafür verantwortlich, dass im Swat-Tal nahe der Grenze zu Afghanistan eine besonders drakonische Form der islamischen Scharia durchgesetzt wurde. Damals gab es öffentliche Enthauptungen für verurteilte Straftäter, Schulen wurden niedergebrannt.

Fazlullahs Taliban-Gruppe war es dann auch, die 2012 den Anschlag auf die damals 15-jährige Malala Yousafzai verübte. Das Mädchen war mit einem Kopfschuss schwer verletzt worden, weil sie sich öffentlich für das Recht von Mädchen auf Bildung eingesetzt hatte. Die Jugendliche ist seitdem zu einem weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Symbol des Widerstands gegen die Islamisten geworden. Ihr Engagement wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt.

Die Chance auf eine Lösung der gewaltsam ausgetragenen Konflikte zwischen den islamischen Rebellengruppen und der Regierung in Islamabad ist mit der Wahl Fazlullahs erheblich gesunken. Eine solche Regelung hätte auch zur Stabilisierung im Nachbarland Afghanistan beitragen können. Solche Friedensgespräche mit der Regierung in Islamabad werde es nicht mehr geben, sagte der Taliban-Sprecher. Fazlullah sei gegen Verhandlungen.

Der neue Taliban-Chef ist auch bekannt unter dem Spitznamen Mullah Radio wegen seiner hitzigen Rundfunkansprachen. Innerhalb der Organisation gilt er als einer der größten Hardliner. (dpa, AFP)