Fast zwölf Jahre lang war sie eine der größten Attraktionen des Zoos, nun ist sie gestorben: Panda-Bärin Yan Yan (die Niedliche) ist gestern Nachmittag tot in ihrem Gehege gefunden worden. Ein Pfleger des Raubtierhauses hatte den leblosen Körper der Bärin gegen 16 Uhr im Freigehege entdeckt. "Wir wissen noch nicht, woran sie gestorben ist", sagte Zoo-Tierarzt Andreas Ochs nach der Untersuchung des Tieres. Die 22 Jahre alte Bärin habe keinerlei Krankheitsanzeichen gehabt und sei auch nicht in einem Alter gewesen, in dem mit ihrem Tod zu rechnen gewesen sei. Pandas können älter als 30 Jahre werden. Eine Obduktion soll nun Aufschluss über die Todesursache geben."Dass sie tot ist, ist schon ziemlich heftig", sagte am Abend Bären-Kurator Heiner Klös. Er gehörte zu der Delegation, die die Panda-Dame im Frühjahr 1995 in Peking in Empfang genommen und nach Berlin gebracht hatte. "Als wir hier ankamen, war der Andrang fast so stark wie jetzt bei Knut." Deshalb sei bei der Vorstellung des kleinen Eisbären auch sehr viel über Yan Yan gesprochen worden. "Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik."Der Zoo hatte große Hoffnungen in die Panda-Dame gesetzt: Die Bärin, die eine Leihgabe des chinesischen Forstministeriums war, sollte in Berlin für Nachwuchs sorgen. Doch Yan Yan und Panda Bao Bao, der bereits 1980 als Geschenk der Chinesen nach Berlin gekommen war, passten nicht zusammen: Weder klappte es auf natürlichem Wege mit dem Nachwuchs noch mit künstlicher Befruchtung. Vor zwei Jahren schließlich erklärte der Zoo das Projekt Panda-Nachwuchs für gescheitert.Besucher und Mitarbeiter hatten die flauschige Bärin dennoch in ihr Herz geschlossen: Sie schauten ihr beim Bambusfressen zu (der übrigens extra aus Südfrankreich eingekauft wurde) oder verfolgten ihre gemächlichen Spaziergänge durch das Gehege. "Anfangs war sie eher zickig", sagte Tierarzt Andreas Ochs. Sie habe mit der Tatze auch nach ihr vertrauten Menschen gehauen. Im Laufe der Zeit sei sie ruhiger geworden und habe eine "richtige Persönlichkeit" entwickelt.Die tote Bärin wurde zunächst über Nacht in einem Kühllager im Zoo aufbewahrt. Heute sollen mit dem chinesischen Forstministerium weitere Modalitäten geklärt werden. "Rein rechtlich gehört sie den Chinesen", sagte Bärenkurator Klös. Der Leihvertrag sei allerdings bereits vor einem Jahr ausgelaufen.Ob Bao Bao, der mit 29 Jahren übrigens der älteste Panda in einem Zoo ist, wieder eine Gefährtin bekommt, ist völlig offen. "Pandas kann man nicht kaufen", sagte Heiner Klös. "Bao Bao war der letzte Panda, der verschenkt wurde." Heute gebe es zwar in chinesischen Zoos etliche Jungtiere, doch die würden nur verliehen. "Und das geht nicht ohne Gegenleistung."------------------------------1 600 TiereDer Große Panda, häufig auch nur Pandabär genannt, zeichnet sich durch seine kontrastreiche schwarz-weiße Fellfärbung aus und ernährt sich vorrangig von Bambus.Wegen seines markanten Fells wurde der Panda lange Zeit gejagt und schließlich 1939 unter Schutz gestellt. Heute ist das Verbreitungsgebiet der Pandas in China nur noch 5 900 Quadratkilometer groß. Dort leben noch etwa 1 600 Wildtiere.Nachzuchten von Pandas sind außergewöhnlich selten. Weltweit leben nur etwa 20 Tiere in Zoologischen Gärten, in Europa sind es nach dem Tod von Yan Yan nur noch drei.------------------------------Foto: Dieses Holzgestell war einer der Lieblingsplätze von Yan Yan. Nun ist ihr Gehege leer.