Es gibt Situationen, da wird selbst die bravste Autofahrerin zum Verkehrsrowdy. In Prenzlauer Berg etwa sind das die frühen Abendstunden, wenn sich die Kneipen langsam mit Gästen füllen und Anwohner Runde um Runde ums Karree fahren auf der Suche nach einem Parkplatz. "Einmal habe ich mich nach 45 Minuten verzweifelt ins Halteverbot gestellt", sagt Kirsten T., Anwohnerin der Choriner Straße. Nun hat sie neue Hoffnung, denn am 1. Oktober beginnt im südlichen Teil Prenzlauer Bergs die Parkraumbewirtschaftung. Eine Vignette hat sie schon beantragt. Für 20,40 Euro darf sie damit zwei Jahre lang im ausgewiesenen Gebiet parken.2,5 Millionen aus KnöllchenFür den Bezirk rechnet sich die Einrichtung der drei neuen Zonen 41, 42 und 43. Genau 100 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Davon allein 87 für Kontrolleure. Gerechnet wird mit jährlichen Einnahmen von rund 5,3 Millionen Euro. Davon werden geschätzte 2,4 Millionen Euro aus den Parkscheinautomaten kommen. Mit den Knöllchen sollen noch einmal 2,5 Millionen Euro verdient werden, schätzt der verantwortliche Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Weitere 400 000 Euro wird der Bezirk durch die Gebühren der Vignetten im ersten Jahr einnehmen, in den folgenden Jahren rund 100 000 Euro.Nach Abzug aller Kosten bleibt ein jährlicher Gewinn von 20 000 Euro. Als einmalige Ausgabe schlägt die Anschaffung der 447 Parkscheinautomaten mit 1,1 Millionen Euro zu Buche, 260 000 Euro kostet ihr Betrieb. Der größte Posten sind die Personalausgaben. 1,9 Millionen Euro gibt der Bezirk für zusätzliches Personal aus. Hinzu kommen Raum- und Schulungskosten sowie Geld für Uniformen und Geräte.Im Drei-Schicht-System überwachen die Kontrolleure die Einhaltung der Parkregeln. Die gelten täglich, außer sonntags von 9 bis 24 Uhr. "Wir sind täglich in jeder Zone mit 20 Mitarbeitern unterwegs", sagt die Sachgebietsleiterin für Parkraumüberwachung im Bezirksamt, Susanne Helbig. Es werden also deutlich mehr Mitarbeiter des Ordnungsamtes in den Straßen präsent sein.Allerdings sind diese ausschließlich für die Überwachung der 13 500 Parkplätze zuständig. Wilde Müllkippen oder frei laufende Hunde fielen nicht in ihr Aufgabengebiet, so Helbig. "Aber wir begreifen uns als Dienstleister und werden entsprechende Beschwerden gegebenenfalls auch weiterleiten", sagt sie.Bisher seien 4 500 Vignetten ausgestellt, weitere 2 000 beantragt. Rund 11 000 Anträge auf Bewohnervignetten werden noch erwartet. Wer bis zum 23. September seinen Antrag online beim Bezirksamt ausfüllt, erhalte die Vignette per Post und dürfe damit rechnen, sie noch rechtzeitig auf sein Auto kleben zu können, so der Bezirksstadtrat. Danach müsse man sich die Vignette persönlich beim Amt abholen.Keine Parkplatzgarantie"Auf eine Karenzzeit braucht niemand zu hoffen", sagt Kirchner. Ab 1. Oktober werde kontrolliert. Bis dahin werden auch alle 447 Parkscheinautomaten, Modell Stelio, aufgestellt sein. Die mannshohen dunkelblauen Säulen werden zentral gesteuert und sind mit Solarzellen und einem Datenfunkempfänger ausgestattet. "Aber einen Parkplatz garantiert mir das trotzdem nicht", sagt Christa Jacoby, eine Anwohnerin. Andere teilen ihre Skepsis und üben offen Kritik an der Gäste-Regelung, weil die Beantragung der Vignette zu zeitaufwändig und kompliziert sei. "Wie früher bei Besuchen im Grenzgebiet, das geht gar nicht", befindet auch der Stadtrat. Mit dem Kollegen aus Mitte arbeite er an einer anderen Regelung.------------------------------69 000 StellplätzeParkraumbewirtschaftung: Anfang März 1995 wurden die ersten Parkzonen in Berlin eingerichtet: in der City Ost, in der City West und der Spandauer Altstadt. Bezahlt werden musste zunächst im 30-Minuten-Takt, fällig waren je nach Gegend eine oder zwei Mark.Parkzonen und Stellplätze: Die neuen Zonen in Pankow nicht eingerechnet gibt es in Berlin zurzeit 33 Parkzonen mit insgesamt 69 402 Stellplätzen. Diese befinden sich vorrangig in den Bezirken Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Aber auch in Teilen von Friedrichshain, Schöneberg und Steglitz ist das Parken kostenpflichtig.Preise: Abgerechnet wird meist im 15-Minuten-Takt. Je nach Lage beträgt die Gebühr 25, 50 oder 75 Cent für eine Viertelstunde. Mancherorts kann auch übers Handy bezahlt werden.Charlottenburg-Wilmersdorf: 20 850 kostenpflichtige Stellplätze in neun Parkzonen gibt es. Etwa 100 Mitarbeiter überwachen die Einhaltung. 2009 nahm der Bezirk durch die Automaten 5,27 Millionen Euro ein.Mitte: Mit zwölf Parkzonen und 27 550 kostenpflichtigen Stellplätzen ist der Bezirk Spitzenreiter in Berlin. Dementsprechend hoch waren auch die Einnahmen 2009: 8,167 Millionen Euro landeten in den Parkautomaten. 138 Mitarbeiter kontrollieren die Einhaltung der Parkzonen.Spandau: In vier Parkzonen gibt es in Spandau 2 730 bewirtschaftete Stellplätze. Im vergangenen Jahr wurden damit 615 000 Euro eingenommen, neun Mitarbeiter überwachen die Parkzonen.Steglitz-Zehlendorf: Rund um die Schlossstraße gibt es vier Parkzonen mit 7 400 kostenpflichtigen Stellplätzen. Etwa zehn Mitarbeiter überwachen das Parken, 2009 wurden 1,98 Millionen Euro eingenommen.Tempelhof-Schöneberg: Die fünf Parkzonen mit 7 150 Parkplätzen liegen entlang der Rheinstraße und in der City-West. Zehn Parkraumüberwacher gibt es, die Einnahmen betrugen 2009 genau 1,19 Millionen Euro.Friedrichshain-Kreuzberg: 3 100 Stellplätze in zwei Parkzonen gibt es in Friedrichshain, 2008 wurden 350 000 Euro eingenommen. Sechs Kontrolleure sind in den Zonen unterwegs.------------------------------Drei Parkzonen gibt es künftig im südlichen Teil des Prenzlauer Bergs. Vom 1. Oktober an funktionieren die 447 neuen Parkscheinautomaten. Sie werden per Funk von einer Zentrale aus gesteuert. Mit ihrer Hilfe soll der Andrang auf die rund 13 500 Parkplätze in den betroffenen Gebieten um geschätzte 20 Prozent sinken.------------------------------Karte: Parkraumbewirtschaftung in Prenzlauer Berg

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