Die Puhdys kommen", steht auf dem bunten Kalender für das kommende Jahr, "Pankow letztmalig!" auf dem Konzertplakat. In dieser Woche verabschiedet sich Pankow im Prater. Im Jahr zehn nach der Wende scheinen sich die Wege der Ostrocker endgültig zu trennen. Während die Größen der 70er Jahre, die Puhdys, Renft, Electra, Stern Meißen, noch immer unverdrossen auftreten, ist es um die Bands der 80er still geworden. Wahrscheinlich ist der Abstand noch nicht groß genug, um schon nostalgische Gefühle hervorzurufen. Neben Pankow hat auch Rockhaus jüngst sein letztes Konzert bekanntgegeben. Die Puhdys dagegen wollen 1999 noch mal die Waldbühne füllen. Auf ihrem Jubiläumskalender posieren die Altrocker mal für Bier, mal für Autos oder Benzin. Ob Sozialismus oder Marktwirtschaft die Puhdys sind immer obenauf. Sänger wie André Herzberg von Pankow oder Mike Kilian von Rockhaus dagegen konnten nicht einfach die ungebrochenen Helden spielen vielleicht sind sie für diese Rolle zu ehrlich. Doch Pankow und Rockhaus gehören auch zu den Bands, denen in den 90ern musikalisch nicht mehr viel Neues eingefallen ist. Die Gründe suchen sie nicht bei sich, sondern in den Umständen. Pankow-Sänger Herzberg wirft dem Publikum gern vor, es suche nur noch Spaß. Ausgerechnet die Getreuen, die noch in die Konzerte kommen, müssen dann das Selbstmitleid der Bands ertragen als wären sie mitverantwortlich für die Leere, als wären sie eine Schulklasse, die nicht vollzählig zum Pioniernachmittag erschienen ist. "Nächstens bringt ihr gefälligst mehr Bekannte mit!" solche Vorwürfe kommen von Karat-Sänger Herbert Dreilich als auch von Mike Kilian, und er ist typisch für Ostrokker. Karat haben sich wohl nur deshalb nicht aufgelöst, weil sie immer noch in den Schlagersendungen des Fernsehens gefragt sind. In einer Mischung aus Anbiederung und Anmaßung versuchen manche Ostbands, nicht nur Fans, sondern auch Journalisten aus dem Osten zu ihren Komplizen zu machen. Es werden positive Rezensionen und der Abdruck großformatiger Bilder verlangt immer unter dem Motto "Wir sitzen doch alle im selben Boot". Die Strategie "Lobt Ost", nach dem Vorbild "Kauft Ost", mag bei Spreewald-Gurken oder Rotkäppchen-Sekt funktionieren, nicht bei Musik. Schließlich sind die Gurken frisch eingelegt, der Sekt ist konkurrenzfähig, die Songs indessen befinden sich oft jenseits des Verfallsdatums. Mit den Ostbands löst sich nicht in jedem Fall deren Selbstgerechtigkeit auf. André Herzberg wird sich Anfang Januar mit dem Programm "Auferstehung" zurückmelden. Er findet, daß tote Helden wie Tamara Danz oder Gerhard Gundermann am meisten geliebt werden, da will er dazugehören, als auferstandener Märtyrer. Als wäre Gundermann erst durch seinen Tod populär geworden, als wären seine Säle nicht immer voll gewesen, als hätte er nicht ständig neue Alben herausgebracht, in der er neue und alte Geschichte reflektierte. Deshalb war sein Tod bestürzend, deshalb läßt der Abschied von Pankow und Rockhaus so ungerührt.Pankow: 22. und 23. 12. im Prater