Im Bezirk Mitte warten viele Wähler vergebens auf ihre Briefwahlunterlagen zur Bundestagswahl am 27. September. Die Sendungen kamen wegen einer Panne im Wahlamt nie an. Wo sich die Briefe derzeit befinden, ist völlig unklar. Genausowenig ist bekannt, wie viele Sendungen die Adressaten wirklich erreicht haben. Ein Bruchteil der nicht zugestellten "Amtlichen Wahlsachen" kam als Retoure an das Wahlamt Mitte zurück. "Am 31. August waren wir im Rathaus Mitte und haben die Briefwahl beantragt", sagt Kersten Schneider aus der Alexanderstraße. Schon am nächsten Tag, so sei ihm zugesichert worden, sollte er die Unterlagen in seinem Briefkasten haben. Doch auch nach einer Woche war die Post nicht da, bis heute nicht. Kersten Schneider ging erneut ins Rathaus: "Im Wahlbüro wurde mir dann erklärt, daß meine Frau und ich keine Einzelfälle sind. Mehr als 100 Briefe seien verschwunden."Der Wahlamtsleiter von Mitte, Bernd Schreiber, räumte am Donnerstag ein, ihm seien 25 Fälle bekannt. "Wir wissen nicht, wo die Briefe liegengeblieben sind." Der Hauptteil der Unterlagen sei zwischen dem 1. und 4. September verschwunden.Zuständig für die Zustellung der Post des Bezirksamtes Mitte ist seit 1. September eine private Firma, die Eichhorst Marketing & Werbegesellschaft mbH. Sie bietet ihre Dienste um 23 Prozent billiger als die Deutsche Post AG an. "Wir konnten nur einen Brief mit Wahlunterlagen nicht ausliefern. Das war in der Philippstraße 12", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Eichhorst. Dieser Brief sei dem Wahlamt zurückgegeben worden. "Alle anderen Briefwahlunterlagen haben wir zugestellt", so Eichhorst. "Wir können überhaupt niemandem etwas beweisen oder unterstellen", sagt Wahlamtsleiter Schreiber. Eine Erklärung für die verschwundenen Briefe hat er nicht. Es könne aber sein, daß Wähler die Unterlagen mit Werbung verwechselt und in den Müll geworfen haben. Laut Schreiber wird Wählern, die ihre Post nicht erhalten und sich beim Rathaus gemeldet haben, nun ein Ersatzwahlschein ausgestellt. Die Nummer des ursprünglichen Wahlscheins wird ungültig. "Wahlbetrug oder die zweimalige Abgabe der Stimme ist damit ausgeschlossen."Seit 9. September befördert die Deutsche Post AG nun wieder die Wahlbriefe für das Bezirksamt Mitte. Sie ist laut Pressesprecherin Kathrin Zabel nicht schuld an der Panne. "Wir können uns die Zahl der verschwundenen Sendungen nicht erklären." Wahlpost, die nicht richtig beschriftet oder frankiert sei, werde dem Landeswahlleiter zugestellt. Probleme gab es in Mitte schon mit den Wahlbenachrichtigungskarten. Im Wahlamt lagern alphabetisch geordnet noch 1 100 Karten, die von der Post wegen fehlender Namensschilder oder Briefkästen in Mitte nicht verteilt wurden.