Der Kaufhauserpresser "Dagobert" ist am Sonnabend in Berlin wieder entwischt. Gegen 2 1.30 Uhr scheiterte auf dem Güterbahnhof Charlottenburg der 20. Geldübergabeversuch an einer technischen Panne -- ein selbstgebautes Schienenfahrzeug entgleiste mit dem Geld kurz vor seinem Ziel.Am vergangenen Freitag meldete sich "Dagobert" bei der gleichnaniigen Sonderkommission der Hamburger Polizei. Er kündigte einen neuen Übergabeterniin für Sonnabend in Berlin an. "Um 18.56 Uhr rief er an und bestellte die Geldboten zu einer Telefonzelle in der Nahe der Rudolf-Wissell-(Stadtautobahn-)Brucke" berichtete Hartmut Kapp von der Hamburger Polizei. Dort hatte "Dagobert" einen Schlüssel und einen Brief deponiert. Darin forderte er die Geldboten auf, zu einer abgelegenen Ecke des Güterbahnhofs Charlottenburg zu kommen."Die alten Gleise dort zwischen Kleingärten und Avus sind von Gestrüpp überwuchert , so Kapp. Auf eine Schwelle war eine knapp ein Meter große Holzkiste montiert und mit einem Vorhängeschloß gesichert. Dazu paßte der Schlüssel aus der Telefonzelle. Unter der Kiste verbarg sich ein selbstgebautes etwa 60 Zentuneter langes Gefährt.,, Dessen Prinzip gleicht dem einer Einschlenenbahn" , sagte ein Beamter. Der Wagen war U-förmig um die Schiene gebaut und wurde von einem Elektromotor über Transmlssionsriemen und Gummiräder angetrieben.Wie im Brief gefordert, wurde das Geld -- die Polizei hat die Summe von 1,4 Millionen Mark weder bestätigt noch dementiert -- in eine Kiste auf der Oberseite des Gefährtes gelegt. Dann betätigte ein Beamter den Startknopf., Die Lore verschwand schnell in der Dunkelheit", sagte Hartmut Kapp. Sie fuhr so schnell, daß an Verfolgung nicht zu denken war. Zudem hatte ,Dagobert" Stolperdrähte gespannt, die zwei Böllerschüsse als Signal auslösten.Der stets perfekt planende Erpresser hatte Unebenheiten auf der Schiene sogar mit Klebeband geglättet. Nach etwa 950 Metern -- 30 Meter vor seinem Ziel -- aber hatte "Dagobert" eine Kleinigkeit übersehen: einen Schwellenbolzen. Das Gefährt entgleiste, das Geldpaket wurde mehr als fünf Meter rechts neben das Gleis geschleudert und blieb liegen. Kapp: "Als wir Minuten später dort ankamen, fanden wir das Geld und ein Stück weiter einen Leinensack mit Aluminiumfolie." Damit wollte "Dagobert" offenbar einen möglicherweise im Geld versteckten Sender stören."Dagobert", der am 21. Januar 1993 die Rekordzahl von 2 000 Berliner Polizisten mit der Überwachung aller Telefonzellen in der City in Atem hielt, soll 40 bis 50 Jahre alt sein. Er hat eine kräftige Statur, hellblondes schütteres Haar und trägt offenbar eine Brille. Mutmaßungen zufolge soll er aus Berlin kommen und Polizist oder Journalist sein. Sei- / ne Intelligenz fasziniert Psychologen wie Buch- und Filmautoren. Die Ko- / sten für die Fahndung übersteigen 15 Millionen Mark, mehr als 100 000 Mark Belohnung sind auf ihn ausge- / setzt. Stephan Natz 1Dagoberte Gefährt Der Elektromotor trieb das kleine Räderpaar an. In dem Kasten auf der Oberseite lag das Geld (Foto rechts>. Beamte der Hamburger Sonderkommission bergen das Fahrzeug (Foto links>.