Für seinen neuen, menschlicheren Ton gegenüber Homosexuellen zeugen Vertreter von Lesben und Schwulen in Deutschland Papst Franziskus Respekt. Die Erwartung, dass damit auch ein Wandel in der katholischen Kirche einhergehen wird, haben sie aber nicht. „Ich mache mir da keine großen Hoffnungen“, sagte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), Manfred Bruns, der Berliner Zeitung. Denn in der Sache habe der Papst nichts Neues gesagt. „Das entspricht dem, was schon im katholischen Katechismus steht. Der Unterschied ist nur, dass sich Franziskus nicht dogmatisch, sondern menschlich äußert.“

Papst Franziskus hatte auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Brasilien Schwule vor Diskriminierung in Schutz genommen. Über einen Homosexuellen, der Gott suche und ein Mensch guten Willens sei, könne er nicht den Stab brechen. „Wer bin ich, ihn zu verurteilen.“ Viele Politiker und Vertreter der katholischen Reformbewegung hatten darin einen Mentalitätswandel gesehen und dem Papst Beifall gezollt. Auch die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche lobte am Dienstag die „erfrischende Offenheit und die verständlichen Worte“ des Papstes. „Stagnation und kirchenpolitischer Rückschritt“ brächen langsam auf, sagte der Sprecher Markus Gutfleisch, um zugleich jedoch einzuschränken, dass das Kirchenoberhaupt immer noch Lesben, Schwule und Bisexuelle ausgrenze, „die ihre Sexualität in Verantwortung vor Gott leben“.

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