BERLIN. In Handschellen wurde der deutsche Staatsbürger Jürgen Hass am Montag in dem paraguayischen Städtchen San Lorenzo ins Polizeirevier geschafft. Er habe Dokumente gefälscht, erklärten die Behörden; die gewöhnlich gut informierte Zeitung ABC machte die deutsche Botschaft in Asunción als Quelle der Beschuldigungen aus. Schon im April war der 56-Jährige unter demselben Vorwurf inhaftiert, nach 15 Tagen aber wieder freigelassen worden, weil die Verdachtsmomente nicht ausreichten. Ob inzwischen mehr gegen ihn vorliegt, ließ sich zunächst nicht ermitteln.Fest steht, dass Hass die lokalen Behörden ebenso irritiert wie vor seiner zeitweiligen Übersiedlung die deutschen. Der im heimatlichen Rees am Niederrhein als Querulant verschriene Frührentner hat es sich in den Kopf gesetzt, 5 000 ausländische Kinder aus ärmlichen Verhältnissen als seine eigenen Nachkommen anzuerkennen, was ihnen den deutschen Pass, Anspruch auf Kindergeld, Studienmöglichkeiten und so weiter verschaffen würde. Möglich ist das durch eine Lücke im deutschen Kindschaftsrecht, an deren Schließung das Bundesjustizministerium noch arbeitet.Allein in Paraguay hat sich Hass auf diese Weise schon 30 Kinder zu- eigen gemacht. "Superpapa" nennt ihn die örtliche Presse, kann sich aber noch nicht entscheiden, ob sie in ihm einen Wohltäter oder doch einen Betrüger vermuten soll. Haas selbst gibt offen zu, dass er mit seiner Aktion Rache an den deutschen Behörden nehmen will, die ihm einst seine Anerkennung als Rechtsberater verweigerten. Zumindest das ist nicht strafbar. (hb.)