Die erste gute Nachricht der Nachwahlbefragungen in der Ukraine: Die Parlamentswahlen sind trotz des Kriegs, trotz der Unruhen und Unkereien im Wahlkampf halbwegs friedlich und fair über die Bühne gegangen.

Die zweite gute Nachricht: Neben Poroschenkos Block schneiden mit der Volksfront und der Selbsthilfe zwei erklärt demokratische und europäisch orientierte Parteien am besten ab. Zwischendurch eine nicht ganz so gute Nachricht: Mit der Radikalen Partei und der Freiheit sitzen wieder zwei populistische, dazu stramm rechte Fraktionen im Parlament.

Die dritte gute Nachricht: Das prorussische Lager, das weitgehend aus der Gefolgschaft des gestürzten Janukowitsch-Regimes besteht, hat gerade einmal neun Prozent erhalten. Aber der zweite Teil dieser Nachricht lautet: Es bleibt dennoch im Parlament – einer Volksvertretung, die in der Praxis dazu neigt, launisch, verlogen und überaus korrupt zu sein.

Auch hinter Poroschenkos Block und den demokratischen Parteien verbergen sich Geldgeber, denen mehr an oligarchischer Machtstellung als an demokratischen Prinzipien gelegen ist.

Außerdem wäre es fatal für die Ukraine, wenn der militärisch umkämpfte Osten, der traditionell Russland-treue Parteien wählt, keine legitime Vertretung mehr in Kiew hätte. Der ukrainischen Demokratie kann mehr Opposition im Parlament nur von Nutzen sein.