Als die Mitglieder der Anti-Islam-Partei "Die Freiheit" ihrem Tagungsort im Fontanehaus im Märkischen Viertel zustreben, gibt es die übliche linke Gegendemo. Ansonsten sei es beim 2.Landesparteitag der Berliner "Freiheit"-Partei am Sonnabend "entspannt" zugegangen, sagt ein Polizist vor der Tür.Auch drinnen macht die Veranstaltung den Eindruck, als träfen sich hier wohlsituierte Anhänger eines Seglervereins- oder Autoclubs, irgendetwas männliches jedenfalls. Bei den rund 120 "Freiheits"- Anhängern handelt es sich überwiegend um Herren zwischen 30 und 60 in dezenten Jacketts und Pullis.Auch René Stadtkewitz, den die CDU-Fraktion wegen seiner Kontakte zu europäischen Rechtspopulisten rauswarf, trägt Anzug und Krawatte. Mit nur einer Gegenstimme wird er zum Spitzenkandidaten der "Freiheit" für die Abgeordnetenhauswahl gewählt. Er ist Vorsitzender und Mentor dieser Partei, zu deren zentralen Forderungen eine "fordernde Integrationspolitik" gehört. Man müsse bei den Migranten "sortieren", wer integrationswillig sei und wer nicht, sagt Stadtkewitz. Von ausländischen Familien, die ihre Kinder kriminell werden ließen, "müssen wir uns trennen". Vor allem an den Berliner Schulen müsse man "den Vorstoß des politischen Islams stoppen".Stadtkewitz berichtet von seinen Besuchen in türkischen Teestuben in Berlin und von Recherchen, bei denen er auf islamische "Religionswächter" gestoßen sei, die die Einhaltung der Scharia überwachten. Dahinter stehe auch das türkische Religionsministerium Ditib, dessen Aktivitäten hier verboten werden müssten. Von einem Kopftuchverbot spricht der 46-Jährige nicht, lieber sollte es ein "Kopfbedeckungsverbot" in Schulen geben, dann könnte man in einem Aufwasch auch gleich die gern getragenen Basecaps untersagen. Ein Dorn im Auge sind ihm auch die vielen Projekte von und für Einwanderer. "Es gibt in Berlin eine Integrationsindustrie, die sich selbst trägt", sagt Stadtkewitz, das gehöre sofort gründlich untersucht.Ob die "Freiheit" eine Chance hat? Nur, wenn es gelinge, am 18.September ins Abgeordnetenhaus zu kommen und dort eine Plattform für die weitere Arbeit zu haben - sonst nicht, sagt Stadtkewitz. Im Moment hoffe er auf "acht plus x" Prozent.Etliche andere auf der neugewählten Landesliste wohl auch. Wie Stadtkewitz haben sie mit den "etablierten Parteien" gebrochen. Yorck-Alexander Mayer zum Beispiel (Ex-CDU, Sportpädagoge), Karl Schmitt (Ex-CDU, Ingenieur), Marc Doll (Ex-CDU, Studienrat), Wolfgang Happach (Ex-CDU, Diplom-Verwaltungswirt.) Den weitesten politischen Weg hat Pressesprecher Thomas Böhm hinter sich . Er war in den 70ern in der DKP. (tr.)