FRANKFURT A. MAIN, 1. November. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende und ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau soll Bundespräsident werden. Ungeachtet des Widerstandes von Frauen aus den beiden Koalitionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen will der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine dem Vorstand der Partei heute vorschlagen, Rau als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl am 23. Mai 1999 zu nominieren. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper bot der SPD derweil Unterstützung für den Fall an, daß doch die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, vorgeschlagen würde.Rau war bereits 1994 SPD-Kandidat für das höchste Staatsamt, die Mehrheit der Bundesversammlung votierte aber für den Unionsbewerber Roman Herzog. In der Bundesversammlung, die im kommenden Mai den Präsidenten wählt, wird jedoch die SPD aller Voraussicht nach zusammen mit den Grünen die Mehrheit haben. Die Entscheidung für Rau allerdings war nach der Bundestagswahl vielfach in Frage gestellt worden. Teile von SPD und Grünen plädierten dafür, zumindest eines der höchsten Staatsämter mit einer Frau zu besetzen. Die Position des Bundestagspräsidenten hat mit dem SPD-Politiker Wolfgang Thierse inzwischen ein Mann inne.Pieper sagte der "Bild"-Zeitung, wenn die SPD Rau zugunsten Limbachs fallenlasse, könne sie mit Stimmen der FDP in der Bundesversammlung rechnen und wäre nicht mehr auf die PDS angewiesen. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende nannte es einen schlechten Stil der SPD, "nur deshalb Johannes Rau zu nominieren, weil er ,versorgt werden soll". 50 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik müsse das Bundespräsidentenamt endlich mit einer Frau besetzt werden.Gerhardt für sieben Jahre AmtszeitDagegen sprach sich Thierse nachdrücklich für Rau aus. Dessen Eignung für das höchste Staatsamt stehe für ihn ganz außer Zweifel, sagte der neue Bundestagspräsident im Deutschlandfunk. Bei der Diskussion um die Nominierung waren auch Bedenken hinsichtlich der Gesundheit Raus ins Spiel gebracht worden. Der 67jährige selbst sagte dazu in der "Bild am Sonntag": "Ich bin fit. Ich fühle mich gesund." Rau war am 27. Mai nach fast 20jähriger Amtszeit als Düsseldorfer Regierungschef zurückgetreten, um seinem Nachfolger Wolfgang Clement Platz zu machen.Der Wechsel an der Spitze der Düsseldorfer Regierung sollte den Modernisierungswillen der SPD unterstreichen und gleichzeitig den Boden für den Regierungswechsel in Bonn hin zu einer rot-grünen Koalition vorbereiten. Rau hatte sich dem Druck der Parteispitze gebeugt und dafür die offiziell nie bestätigte Zusage erhalten, daß ihn die SPD im Falle ihres Wahlsieges zum Bundespräsidenten machen werde.Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt plädierte für eine Amtszeit des Bundespräsidenten von sieben Jahren ohne Möglichkeit der Wiederwahl. Damit könnten wahlkampfähnliche Auseinandersetzungen bei der Besetzung des höchsten Staatsamtes besser vermieden werden, sagte er der "Welt am Sonntag". Außerdem werde der Präsident in seiner Amtsführung unabhängiger. Einen entsprechenden Gesetzentwurf will die FDP noch in diesem Monat in den Bundestag einbringen. Für eine Annahme wäre allerdings eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich.