Als Patrick Sensburg am Mittwoch gefragt wurde, ob er in seinem neuen Amt eine persönliche Chance oder ein Risiko sehe, antwortete der CDU-Bundestagsabgeordnete, er habe in den letzten drei Stunden noch gar keine Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken. Ohnehin sei das Thema NSA zu wichtig, als dass der einschlägige Untersuchungsausschuss „vor dem Baum landen“ dürfe. Drei Stunden vorher erfuhr der 42-Jährige, dass er am Donnerstag zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt werden dürfte, nachdem sein Vorgänger Clemens Binninger auch für ihn überraschend zurücktrat. Obwohl das Risiko des Scheiterns beträchtlich ist, war Sensburg ganz cool.

Der in Paderborn geborene Sauerländer kam 2009 in den Bundestag – und zwar folgte er keinem Geringeren als dem früheren Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz nach. Wie Merz ist Sensburg so, wie man sich einen Sauerländer vorstellt: katholisch-konservativ. Entsprechend plädierte er diverse Male dafür, das Profil der CDU stärker zu betonen. Gemeint war immer: das konservative Profil. Er wandte sich gegen die Präimplantationsdiagnostik und stand der milliardenschweren Hilfe für zahlungsschwache Euro-Länder skeptisch gegenüber. Wie es sich für einen Sauerländer gehört, trinkt Sensburg auch lieber Bier als Wein.

Eher freundlich als knorrig

Vor nicht allzu langer Zeit schließlich wollte der promovierte Jurist und Reserveoffizier Vorsitzender des Reservistenverbandes werden. Das wurde dann ausgerechnet sein Nachfolger als NSA-Ausschuss-Obmann: der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter. Anders als Merz ist Sensburg im Umgang eher freundlich denn knorrig – und durchaus geschmeidig. So votierte er einst für den liberalen Norbert Röttgen als Chef des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Eine gewisse Geschmeidigkeit zeichnet auch sein jüngstes Agieren im NSA-Ausschuss aus. Zwar ist überdeutlich, dass der designierte Ausschuss-Vorsitzende den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden als möglichen Zeugen auf Abstand hält. Er sagt es aber nicht so relativ schroff, wie Binninger es tat. Sensburg sagt stattdessen, dass man doch erst einmal die Fakten klären müsse. Dann führt er an, dass Snowdens jüngste Aussagen bei einer Videoanhörung des Europarates nichts Neues erbracht hätten. Überhaupt müsse man ja, wenn man Snowden vernehme, für dessen Sicherheit sorgen – ganz so, als liege das nicht auch im Vermögen jener Bundesregierung, die der Christdemokrat stützt.

Erst unlängst erklärte er, Snowden sei „in der Lieferpflicht“. Er dürfe nicht immer nur vermeintlich Aufsehenerregendes an die Journaille durchstechen. Er müsse auch Originaldokumente beibringen.

Bisher hatte Patrick Sensburg wenig Gelegenheit zur Profilierung. Auch altgediente Parlaments-Korrespondenten kennen ihn kaum. Das ändert sich nun radikal. Auf der einen Seite steht eine große Koalition, die darauf bedacht ist, Amerikaner und Briten nicht zu verärgern, auf der anderen Seite die Opposition, die auf Aufklärung dringt und ihrerseits Profil sucht. Der Spielraum zwischen den Fronten ist minimal.