Paulo Rink kann die Meisterschaft entscheiden. Darüber reden will er nicht: "Das Wetter war gut in Leverkusen"

Wenn Paulo Rink, Stürmer beim 1. FC Nürnberg, am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen einen Treffer erzielt, könnte er seinem ehemaligen Klub den Traum von der Meisterschaft verderben. Im Herbst war der 29-Jährige zu den Franken gewechselt, für die er in 18 Spielen dreimal traf. Nach seinem Wechsel war der gebürtige Brasilianer, der inzwischen 13 Länderspiele für Deutschland bestritt, wegen einer eigenartigen Vertragsklausel in die Schlagzeilen geraten.Paulo Rink, am Wochenende wartet auf Sie ein besonderes Spiel.Ich habe es schon vielen Ihrer Kollegen gesagt: Ich stehe nur auf dem Platz. Kein Kommentar zum Gegner, das ist besser so. Ich sage nur, was man so sagt: Es ist ein normales Spiel für mich.Aber immerhin dürfen Sie jetzt spielen. Im Hinspiel griff noch eine Vertragsklausel, wonach Sie kurz nach Ihrem Vereinswechsel von Bayer Leverkusen zum 1. FC Nürnberg in Leverkusen nicht spielberechtigt waren. Warum gilt dieser Passus nicht für das Rückspiel?Das weiß ich auch nicht, da müssen Sie Herrn Calmund fragen. Vielleicht hat er das vergessen. Vielleicht hat er auch nicht gedacht, dass Nürnberg jetzt Leverkusen die Meisterschaft verderben kann. Ich wusste übrigens schon damals nichts von der Klausel, das haben die Vereine unter sich ausgemacht - ich habe den fertigen Vertrag gar nicht gelesen.Der Leihvertrag sieht angeblich auch vor, dass der Club noch einmal 250 000 Euro Nachschlag für Sie an Bayer überweisen muss, wenn der Klassenerhalt gelingt.Das ist ein komischer Vertrag, so oder so. Ich wollte damals gegen Leverkusen spielen und war schon sehr verärgert, dass das nicht möglich war.Immerhin sind Sie dadurch zwiespältigen Gefühlen entgangen.Stimmt, ich wohne ja noch in Leverkusen - und fühle mich wohl da. Am Sonntag und Montag war ich zu Hause bei meiner Familie.Wie reagieren die Leute dort? Sie können ja nun zum Albtraum für Ihren ehemaligen Verein werden.Das Wetter war gut in Leverkusen.Das war nicht die Frage.Gut, es sind schon Fragen gekommen. Beim Einkaufen zum Beispiel. Aber ich habe ausweichend geantwortet. Ich versuche immer nett zu sein - und neutral.Sie sind doch kein Diplomat.Auch Fußball-Profis müssen neutral sein.Aber Ihr Arbeitgeber ist doch der 1. FC Nürnberg.Ich sage jetzt gar nichts mehr. Es könnte mir falsch ausgelegt werden.Wollen Sie Leverkusens Führung, die Sie ja ausgemustert hat, nicht beweisen, dass Sie doch ein guter Spieler sind?Das haben Sie gesagt. Ich sage nur eines: Ich hätte es mir leicht machen und mir auf Schalke die fünfte Gelbe Karte abholen können. Aber ich will bei diesem Spiel unbedingt dabei sein.Vermeiden Sie ein klares Bekenntnis zum Club, weil Sie am Saisonende sowieso gehen?Ich habe ein neues Angebot vom 1. FC Nürnberg, aber das ist ein kleiner Verein, der jetzt auch Probleme bekommen könnte wegen der Kirch-Krise. Ich möchte mich im Gehalt nicht gerne drücken lassen. Vielleicht gehe ich ins Ausland, nach Italien oder England, es gibt Anfragen. Oder nach Berlin.Sie haben ein Angebot von Hertha?Es gab bereits mehrere interessante Gespräche mit Herrn Hoeneß. Hertha ist eine Variante, die ich ernsthaft ins Auge fasse, denn eigentlich möchte ich schon gerne in Deutschland bleiben.Trotz der großen Enttäuschung, die Sie in Ihrer Wahlheimat erlebt haben? Sie haben sich extra einbürgern lassen und sind nun nicht bei der WM dabei.Ich hoffe immer noch auf die WM. Ich meine, so schlecht habe ich in den letzten Wochen nicht gespielt. Und es bleiben noch zwei Spiele, um mich zu beweisen. Ich finde, Rudi Völler könnte mich schon mitnehmen.Vielleicht, wenn Sie gegen Leverkusen gut spielen. Wie lautet Ihr Tipp?Ich tippe nicht. Ich stehe nur auf dem Platz.Gespräch: Matthias Wolf"Das ist ein komischer Vertrag, so oder so. " Paulo Rink .DPA/FLORIAN EISELE "Auch Fußball-Profis müssen neutral sein": Paulo Rink, zurzeit Nürnberger.