BERLIN, 3. Dezember. Der Immunitätsausschuß des Bundestages wird den PDS-Abgeordneten Heinrich Fink auch gegen seinen Willen auf eine Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überprüfen. Der Ausschuß beschloß am Donnerstag, ein Verfahren einleiten zu wollen. Der Theologie-Professor war 1991 als Rektor der Berliner Humboldt-Universität wegen inoffizieller Mitarbeit für das MfS entlassen worden.PDS-Fraktionssprecher Jürgen Reents kritisierte die Entscheidung des Ausschusses. Eine Klage Finks gegen seine Entlassung sei beim Europäischen Gerichtshof "noch anhänigig". Es bestehe daher zur Zeit "keine Notwendigkeit", den PDS-Abgeordneten zu überprüfen. Fink bestreite die Vorwürfe. "Wir gehen davon aus, daß Finks Darstellung den Tatsachen entspricht", sagte Reents der "Berliner Zeitung".Nach einem Gutachten der Gauck-Behörde hatte Fink von 1969 bis 1989 als IM "Heiner" mit dem MfS inoffiziell zusammengearbeitet. Danach war Fink für die Hauptabteilung XX/4 ( Bespitzelung der Kirchen) tätig. Auf Anweisung des Chefs der Abteilung, Oberst Wiegand, habe Finks Führungsoffizier, Klaus Roßberg, die Vernichtung großer Teile der Akte des IM "Heiner" am 6. Dezember 1989 veranlaßt, so die Gauck-Behörde. Fink hatte gegen die Entlassung vor dem Arbeitsgericht geklagt. Er sei vom MfS lediglich "abgeschöpft" und ohne sein Wissen als IM geführt worden. Das Landesarbeitsgericht hatte 1992 festgestellt, Fink sei "wissentlich für das MfS tätig gewesen". Dies gehe aus vorhandenen Unterlagen zweifelsfrei hervor. So habe Fink während des Kirchentages 1987 zwei Mal die zu diesem Anlaß gebildete MfS-Lagegruppe angerufen, um Nachrichten für Roßberg durchzugeben. Ferner habe Fink die "Verdienstmedaille der NVA in Gold" und die damit verbundene Prämie von 750 Mark "erkennbar als Auszeichnung des MfS" von Roßberg erhalten. Der Bundesgerichtshof bestätigte die Entlassung 1997.Der "Berliner Zeitung" liegen Dokumente vor, denen zufolge Fink das MfS 1975 über zwei ausreisewillige Studenten informierte und den Auftrag erhielt, zur " Vermeidung von Unruhe unter den Studenten" zu sorgen. Ein Student sei "vom Studium beurlaubt" worden, heißt es in den Akten. Ein anderes Papier dokumentiert einen MfS-Vorschlag vom 1.11.1989, Fink für seine Unterstützung "seit über 20 Jahren" und seine "Verdienste bei der Profilierung der theologischen Sektionen" mit einem Geschenk im Wert von 500 Mark auszuzeichnen.