In "Zerrissene Umarmungen" steht Penélope Cruz (35) zum vierten Male für Pedro Almodóvar vor der Kamera, für den Regisseur, der in den neunziger Jahren aus ihr die erfolgreichste Schauspielerin Spaniens machte. Auch Hollywood konnte der innigen Bindung zwischen Meister und Muse nichts anhaben.Penélope, erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Treffen mit Pedro Almodóvar?Ich war 17 Jahre alt und sehr, sehr aufgeregt. Er bat mich zu sich nach Hause, und ich war eine halbe Stunde zu früh da. Ich bin um das Haus spaziert, habe auf seine Terrasse geguckt und dachte immerzu: "Ist das wirklich wahr? Wohnt er da oben? Werde ich wirklich mit ihm sprechen?" Bei diesem Treffen sagte er mir, ich sei zu jung für "Kika", den Film, den er damals plante. Aber er würde mir eine Rolle in einem anderen Film geben. Und zwei Jahre später rief er mich an.Was hielten Ihre Eltern damals von Ihrer Idee, Schauspielerin zu werden?Ich ging ja tagsüber noch aufs Gymnasium, abends besuchte ich eine Theaterschule und ging zum Ballett. Ich war noch ziemlich zwischen der Schauspielerei und dem Tanz hin- und hergerissen. Aber meine Eltern ahnten früh, dass man mich nicht an einen Schreibtisch fesseln könnte.In "Zerrissene Umarmungen" spielen Sie gleich mehrere Rollen. Mal imitieren Sie Marilyn Monroe, mal Audrey Hepburn. Wie gefielen Ihnen all diese Verwandlungen?Es war toll, das mit Pedro durchzuspielen. Wir haben vier Monate lang geprobt, und Pedro ist sogar selbst nach Paris geflogen, um Klamotten für meine Figur zu kaufen. Er lief durch die Straßen, rief mich dauernd an und erzählte mir, welches Kleid er für welche Szene gefunden hatte. Er liebt diese Details.War es schön, mal blond zu sein?Es geht. Eigentlich wollten wir noch mehr Szenen mit der blonden Perücke spielen, aber wir haben im Sommer in Spanien gedreht, und da war es so heiß, dass die Perücke mir förmlich vom Kopf geschmolzen ist.Was ist besser: Mit einem zu arbeiten, der einem so vertraut ist wie Ihnen Almodóvar, oder mit jemandem, von dem man überhaupt nichts weiß?Es ist schwierig, meine Beziehung zu Pedro mit anderen zu vergleichen. Er ist nicht einfach nur jemand, mit dem ich arbeite, er ist schon eher wie ein Familienmitglied. Wenn wir am Set sind und drehen, ist das Verhältnis aber ein anderes. Da ist er der Regisseur und ich seine Schauspielerin. Natürlich ist ein vollkommenes Vertrauen da, aber wir bequatschen keine privaten Dinge, wir trennen das völlig von der Arbeit. Sobald der Dreh vorbei ist, hängen wir wieder zusammen. Das ist eine Art, das Arbeitsverhältnis unabhängig von der Freundschaft zu schützen.Gibt es Parallelen zu anderen großen Regisseuren, mit denen Sie gearbeitet haben, zum Beispiel Woody Allen?Eine Gemeinsamkeit fällt mir sofort ein: Wenn man Zeit mit Menschen wie Woody oder Pedro verbringt, ist man total fasziniert. Alles, was sie sagen oder tun, haut dich komplett um. Sie sind immer unberechenbar, man weiß nie, was ihnen als nächstes einfällt.Ein weiteres Mammutprojekt startet im Herbst: das Musical "Nine", frei nach Fellinis "8 1/2".Ich wollte schon immer ein Musical machen. Und dieses Projekt, vom Drehbuch über Regisseur Rob Howard bis hin zu den Kollegen, war perfekt. Es ist ein Glücksfall, wenn man so etwas findet. Vier Mal musste ich für diesen Film vorsprechen, und ich lag gerade auf dem Massagetisch, als die Zusage kam. Ich habe vor Freude so laut geschrien, dass die Masseurin dachte, ich wäre verrückt geworden.Sie spielen da mit Stars wie Marion Cotillard, Sophia Loren, Nicole Kidman oder Kate Hudson. Wie sind Sie miteinander klargekommen?Es war einfach eine großartige Erfahrung: Wir waren ein Team, haben schon beim Training sechs Monate lang zusammen geschwitzt und uns gegenseitig geholfen. Viele von uns mussten mit ganz neuen Elementen umgehen, also der Musik oder dem Gesang. Ich hatte zum Beispiel noch nie vorher gesungen. Das Tanzen war zwar nicht neu, aber ich war ja echt aus der Übung. Insofern haben wir uns alle gegenseitig moralisch unterstützt, jeder wusste, was der andere gerade durchmacht. Wir hatten alle die gleichen Ängste und die gleiche Aufregung. Es war, als würde man noch mal zur Schule gehen.Sie verbringen in der Regel ja mehrere Monate mit einem Filmdreh. Da will man natürlich die richtige Wahl treffen. Wie stellen Sie das an?Um das Drehbuch zu finden, das einem gefällt, muss man sich sehr viele ansehen. Es ist immer knifflig, die richtige Entscheidung zu treffen. Man muss auf die innere Stimme hören, die sagt: dieses oder keins.Bedauerten Sie schon mal eine Entscheidung?Ja, aber das würde ich nie laut sagen. Denn jede Entscheidung hat mir etwas gebracht. Und sei es nur die Erfahrung, so etwas nie wieder erleben zu wollen.Sie wollen sich demnächst etwas rarer machen. Warum?Früher habe ich drei, vier Filme im Jahr gemacht, aber früher wollte ich auch so viel wie möglich drehen. Jetzt fühle ich mich anders. Mir genügt nun ein Film im Jahr. Ich will einfach mehr Zeit für mich selbst haben.Interview: Mariam Schaghaghi------------------------------Foto: Die spanische Schauspielerin Penélope Cruz. Ihr Film "Zerrissene Umarmungen" kommt heute ins Kino.