Auf der S-Bahn-Station Betriebsbahnhof Rummelsburg können sich die Fahrgäste bald wie in einem Containerhafen fühlen. Dort plant die Deutsche Bahn (DB) eine ungewöhnliche Fahrstuhlanlage, die wie ein Portalkran aussieht. Die Kabine fährt an einem Pfeiler nach oben, schwebt dann unter einer Brücke über die Bahn hinweg und gleitet an einem zweiten Pfeiler nach unten. "People Mover" nennt sich die Technik, die von der Firma Schmid Maschinenbau entwickelt worden ist. "Die Station an der Linie S 3 wäre weltweit der erste Bahnhof, der eine solche Anlage erhält", sagte Wolfgang Borsch, Leiter des Regionalbereichs Ost von DB Station & Service. Rund 70 Prozent der S-Bahnhöfe in Berlin und Umland sind behindertengerecht erschlossen. "Ein so hoher Anteil ist in Deutschland einmalig", sagte Borsch. Doch noch sind viele Stationen im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder Fahrrad nur mühsam zu erreichen. Am S-Bahnhof Betriebsbahnhof Rummelsburg würden zwei Aufzüge gebraucht, allerdings fehlt der Platz. Darum suchte die DB nach anderen Möglichkeiten - und wurde in Pfullingen fündig. In der baden-württembergischen Stadt überspannt der erste "People Mover" seit Ende 2001 die Bundesstraße 312, als Platz sparende und preisgünstige Alternative zu einer Unter- oder Überführung. Die Anlage im Bezirk Lichtenberg würde 800 000 bis eine Million Euro kosten. "Damit wäre sie billiger als die zwei Aufzüge, die wir bräuchten", so Borsch. Die DB hat das Projekt nun in Auftrag gegeben. Es folgt ein Plangenehmigungsverfahren, das bis zu zwei Jahre dauern kann. Danach soll gebaut werden. Im vergangenen Jahr hat die DB in acht Berliner Bahnhöfen die Erschließung verbessert, meist durch den Bau von Aufzügen oder Fahrtreppen. In diesem Jahr stehen 16 Bahnhöfe auf der Liste. So erhalten Springpfuhl, Rummelsburg, Pankow-Heinersdorf, Nikolassee, Mexikoplatz und Friedenau Fahrstühle. Außerdem kann die DB endlich ein Uraltprojekt im Bahnhof Unter den Linden realisieren: einen Aufzug, der vom Pariser Platz in das Zwischengeschoss der S-Bahn-Station hinunterführt. "Vor sieben Jahren haben wir mit der Planung begonnen. Erst war das Hotel Adlon dagegen", so Borsch. "Dann mussten wir der Verwaltung Standortalternativen vorlegen, die Anlage sollte nicht dem Linden-Statut widersprechen. Nun gab es grünes Licht." Rolltreppen nur noch abwärts Auch bei anderen Anlagen, die Fahrgästen den Zugang erleichtern, kommt es zu Kuriositäten. So fördert der Bund nur den Bau von aufwärts fahrenden Fahrtreppen. Darauf hätten sich die Ministerien für Verkehr und Finanzen mit der DB geeinigt, so Borsch. Die Begründung: Nur Anlagen, die Reisenden beschwerliche Tätigkeiten abnehmen, werden unterstützt. Darum musste die DB am Bahnhof Zoo eine abwärts fahrende Treppe aus eigener Tasche bezahlen. Dagegen wurden am S-Bahnhof Bornholmer Straße Fahrtreppen, die nach unten fuhren, umgestellt - nun fahren alle nach oben. "Wer eilig noch einen Zug erreichen will, muss die Treppen hinunter", berichtet Fahrgast Ulrich Balling aus Wedding. Nun will sich die S-Bahn um eine Lösung im Sinne der Fahrgäste bemühen.Der Bau von Aufzügen und Fahrtreppen gehört zum Bahnhofsentwicklungsprogramm, mit dem die DB ihre 5 800 Stationen aufpeppen will - möglichst mit Unterstützung der öffentlichen Hand. Geplante Ausgaben in diesem Jahr: 724 Millionen Euro. In Berlin soll auch ein Fern- und Regionalbahnhof saniert werden: der Bahnhof Wannsee.In drei Tagen soll die Anlage stehen // 131 Verkehrsstationen nennt die Deutsche Bahn (DB) in Berlin ihr eigen, in 116 halten ausschließlich S-Bahn-Züge. In Brandenburg hat die DB insgesamt 354 Stationen.77 Millionen Euro hat die DB 2001 in die Entwicklung ihrer Berliner Bahnhöfe gesteckt. Davon entfielen 10,7 Millionen auf die Instandhaltung und 9,3 Millionen Euro auf die Reinigung der Anlagen.28 Prozent der Berliner Bahnhöfe sind in gutem Zustand. Bei 63 Prozent gibt es mittleren Handlungsbedarf, also einige Mängel. In neun Prozent der Fälle ist der Zustand kritisch. Beispiele: Wannsee, Charlottenburg, Yorck- und Warschauer Straße sowie Ostkreuz.Ein "People Mover" soll am S-Bahnhof Betriebsbahnhof Rummelsburg entstehen. Eine Kabine (fünf Personen) schwebt in zwei Meter Höhe über die Gleise hinweg. Konzept: Schmid Maschinenbau. Bau: Thyssen Aufzüge. Bauzeit: drei Tage.WWW. SCHMID-PEOPLEMOVER. DE Der "People Mover" über der B 312 in Pfullingen bei Stuttgart. Für die Tour über die Straße braucht die mit eigenem Antrieb ausgestattete Alu-Kabine 30 Sekunden.