BERLIN, 16. Oktober. Sie haben sich Zeit gelassen beim deutschen Basketball-Meister Alba Berlin. Es sollte nichts überstürzt werden während der Suche nach Verstärkung. "Wir werden keinen Spieler holen, der das System der Mannschaft kaputt macht" - das war die Maßgabe von Vizepräsident Marco Baldi. Deswegen hat es ein wenig gedauert, bis die Berliner fündig geworden sind: Marko Verginella ist nun der neue Mann, der den Anforderungen des Vereins entspricht. Er soll Flügelspieler Guido Grünheit ersetzen, der Alba Berlin wegen eines Kreuzbandrisses längere Zeit nicht zur Verfügung steht. Am Donnerstag absolvierte Verginella einen medizinischen Test. "Das Ergebnis wird am Freitag vorliegen", sagt Albas Manager Carsten Kerner. Die Freigabe für die Bundesliga erwartet der Klub noch vor dem ersten Heimspiel der Saison am Sonntag gegen Oldenburg (15 Uhr)."Marko hat sich in der Bundesliga bereits bewiesen. Er hat anderthalb Jahre bei Braunschweig sehr gut gespielt", sagt Albas Trainer Emir Mutapcic über die Neuverpflichtung: "Er ist ein Spieler, der sich bei uns weiterentwickeln kann." Dazu hat der Slowene zunächst bis Ende Januar 2004 Gelegenheit. Sollte er sich in dieser Zeit als Verstärkung erweisen, besitzt der Klub die Option, den Vertrag bis zum Saisonende zu verlängern. Dass Verginella zu einem hilfreichen Mitglied des Kaders werden kann, darauf deutet seine persönliche Statistik der vergangenen Saison. Damals spielte der 2,03 Meter große Profi für den Schweizer Erstligisten BC Lugano. Bei 23 Einsätzen, die durchschnittlich 23 Minuten dauerten, kam er auf 15,3 Punkte und 6,3 Rebounds pro Partie.Suche nach StabilitätZurzeit fehlt es dem 25-Jährigen allerdings noch an Praxis. Mutapcic hat das in den vergangenen Tagen festgestellt, als Verginella mit seinem neuen Team übte. "Er hat lange nicht mehr mit einer Mannschaft trainiert", sagt der Coach. Seit seinem Engagement in der Schweiz musste sich Verginella daheim in Maribor allein um seine Form kümmern; er war ohne Vertrag. Dennoch ist Mutapcic zuversichtlich: "Er wird uns mehr Stabilität geben, im Training genauso wie im Spiel."Stabilität hat Alba auch nötig, wie die Auftaktniederlage in der Bundesliga am Sonnabend bei den Gießen 46ers zeigte (96:98). Es war eine ungewohnte Erfahrung, die der Meister in Hessen machte. "Alba hat 1993 zum letzten Mal mit einer Niederlage angefangen", rechnet Spielmacher Mithat Demirel vor, "damals war ich 15 Jahre alt." Inzwischen ist er der Kopf der Mannschaft. Einer Mannschaft, die in der Frühphase der Saison immer noch damit beschäftigt ist, sich zu organisieren. "Wir haben uns noch nicht gefunden", bestätigt Kapitän Teoman Öztürk. Und Guard Marko Pesic sagt: "Wir haben sehr gute Spieler, aber jeder muss etwas abgeben an die Mannschaft. Es fehlt uns im Moment noch an Kleinigkeiten."Vor allem in der Defensive offen-bart Alba Abstimmungsprobleme. "In gewissen Situationen ist die Konzentration nicht da", sagt Pesic. Dass die fehlerhafte Abwehrarbeit allein den Neuzugängen Szymon Szweczyk und John Best zuzuschreiben sein könnte, bestreiten Albas Spieler. "Die ganze Mannschaft hat in Gießen schlecht verteidigt, auch ich", sagt Demirel. Der Regisseur war allerdings angeschlagen in die Partie gegangen. Noch immer leidet er unter Kniebeschwerden. Auch Albas zweiter Aufbauspieler, DeJuan Collins, ist nicht fit, ihn plagen Schmerzen im Fuß.Ungeachtet dieser Schwächung erwartet Mutapcic am Sonntag eine Leistungssteigerung von seinem Team. "Man kann nicht erst anfangen, richtig zu verteidigen, wenn man in der Europaliga auf die erste Mannschaft trifft", sagt der Trainer: "Diese Einstellung hat vielleicht in der vergangenen Saison gereicht, aber in dieser reicht sie nicht." Die Konkurrenz in der Meisterschaft sei stärker geworden, weshalb Mutapcic fordert: "Wir müssen im kämpferischen Bereich mehr investieren." Die Klubführung hat das Ihrige bereits getan, sie hat investiert: in eine Verstärkung für das Flügelspiel.Erste Hürde Oldenburg // Bundesliga: Die Basketballer von Alba Berlin bestreiten an diesem Sonntag ihr erstes Heimspiel der Meisterschaftssaison (15 Uhr). Gegner in der Schmelinghalle ist die Mannschaft aus Oldenburg. Die Auftaktbegegnung der neuen Spielzeit hatte Titelverteidiger Alba am vergangenen Sonnabend bei den Gießen 46ers 96:98 verloren.Europaliga: Albas erstes internationales Punktspiel der Saison ist für Mittwoch, den 5. November, angesetzt. Dann tritt die Mannschaft von Trainer Emir Mutapcic in der Europaliga bei Asvel Villeurbanne/Frankreich an. Am Mittwoch, dem 12. November, folgt das Heimspiel gegen den polnischen Klub Idea Slask Wroclaw.IMAGO/CAMERA 4 Albas Neuer: Der slowenische Flügelspieler Marko Verginella (2. v. r. ) sammelte bereits von 2001 bis 2002 in Braunschweig Bundesliga-Erfahrung.