Es gibt zwei Peter Hahnes. Das heißt, es gibt natürlich nur einen: den politischen Journalisten, 57 Jahre alt, eines der bekanntesten Gesichter des Zweiten Deutschen Fernsehens, den Vertreter konservativer Werte, langjährigen Kolumnisten der Bild am Sonntag, Autor von Bestsellern wie "Schluss mit lustig - Das Ende der Spaßgesellschaft".Aber es gibt Hahne, wenn man mit ihm in diesen Tagen telefoniert, zumindest in zwei Stimmlagen: Es gibt den euphorischen, der zu seiner neuen Sendung befragt wird, der 30-Minuten-Talksendung "Peter Hahne", die am Sonntag erstmals ausgestrahlt wird. Und es gibt den Hahne, der freundlich, aber hörbar ungern Antworten aus sich herauswindet, wenn man ihn nach der Brender-Affäre und seiner Rolle darin fragt. Hahne sagt: "Ich begreife die Diskussion nicht." Da seine neue Sendung und die Brender-Geschichte aber direkt zusammenhängen, kann man sie ihm kaum ersparen.Margot Käßmann zum AuftaktWas seine Sendung betrifft: Hahne plant, mit einem Gast, maximal zwei Gästen, sonntagmittags ein wichtiges Thema der Woche zu verdichten. Es wird nicht immer der übliche Hans-Olaf Henkel kommen, sondern gerade auch Gäste, die selten in großen Talkrunden sitzen; zum Start am Sonntag etwa kommt Margot Käßmann, die ehemalige Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche (dem Hahne selbst bis 2009 angehörte), zu ihrem ersten und laut Hahne einzigen Fernsehinterview nach ihrem Rücktritt. Hahne erfüllt damit zum Teil, was jüngst von Günther Jauch gefordert wurde: nicht immer dieselben Nasen und Mut zum Einzelgespräch. Zum Lohn dürfte, was Käßmann bei "Peter Hahne" sagt, am Montag in den Zeitungen rauf- und runterzitiert werden. "Es gibt keinen Schlagabtausch von sechs oder acht Leuten, wo man schnell den Faden verliert", sagt Hahne. "Es wird nicht superinvestigativ werden, aber doch meinungsfreudig, unterhaltsam und informativ." Sehr intim seien die Gespräche angelegt, vor der Kulisse des Brandenburger Tors, um zu zeigen: "Man sitzt mitten im Leben."Man kann also sagen, dass Hahne künftig nur noch macht, wofür er am bekanntesten ist: Interviews. Diese Woche befragte er für "Was nun?" die Bundespräsidentschaftskandidaten; auch die langen ZDF-Sommerinterviews mit Politikern, die in der Fernsehlogik von Personalisierung, Inszenierung, der Hoffnung, dass sich Phrasen schon versenden, und Quote seit jeher erfolgreich sind, gehörten zu seinen Aufgaben. Man kann Hahne schwer ankreiden, dass er das Interviewhandwerk nicht beherrsche; nicht, dass er ein Gespräch, wie er es nennt, "weglaufen" ließe.Allerdings klingt eine Sonntagstalksendung mit eigenem Namen zwar wie ein Karrierehöhepunkt, aber in Verbindung mit der Sendezeit, 13 Uhr, dann doch eher wie der Karrierehöhepunkt einer Nebenfigur. Hahne aber war elf Jahre lang stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros; Moderator von "Berlin direkt"; sein einstiger Chef, Peter Frey, ist jetzt ZDF-Chefredakteur; die frühere Tortengrafikchefin Bettina Schausten ist jetzt Leiterin des Berliner Büros. Und Peter Hahne wechselte in die Programmdirektion und talkt jetzt nach dem "Fernsehgarten". Da ist die Frage nicht wirklich: Ist das nun ein Abstieg oder nicht? Die Frage ist: Wie deutet Hahne diesen Abstieg um?Nachdem der CDU-Politiker Roland Koch als ranghohes Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats die Absetzung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender gefordert (und letztlich erreicht hatte), galt Hahne als ein Unionskandidat für die Leitung des Hauptstadtstudios. Es gab einen Offenen Brief prominenter ZDF-Mitarbeiter von Claus Kleber über Maybrit Illner bis Peter Frey an den ZDF-Intendanten Markus Schächter, in dem sie ihn aufforderten, sich für Brender ein- und gegenüber Koch durchzusetzen. Peter Hahne soll der einzige gewesen sein, der um seine Unterschrift ersucht wurde, sie aber nicht leistete. Dazu sagt er zunächst: "Ob ich Briefe unterschreibe oder nicht, das ist meine Privatsache" - worüber sich streiten ließe, es ging schließlich um die Frage, wie viel Einfluss die Politik auf den staatsfernen öffentlich-rechtlichen Rundfunk nehmen darf, eine Frage, zu der sich führende politische Fernsehjournalisten durchaus verhalten müssen. Und schließlich sagt er dann doch: "Ich habe mich da nicht eingemischt, und das ist ja auch eine Frage der Loyalität gegenüber dem Haus und gegenüber Brender: die Haltung, ich sage dazu gar nichts."Ob er nicht doch lieber Hauptstadtbüroleiter geworden wäre? "Die Frage", sagt Hahne, "hat sich gar nicht gestellt. Ich war der Dienstälteste in einer Leitungsfunktion bei ARD und ZDF. Mein Zehnjahresvertrag endete am 28. Februar 2010. Ich hatte also schon lange Zeit, mich darauf vorzubereiten, ob ich etwas Neues, oder ob ich weitermache." Und er mache jetzt also mit seiner Talksendung etwas Neues. Hahne sagt, er freue sich - und zwar "wirklich" - auf den Start: Sonntag um 13.03 Uhr.------------------------------Seit 25 Jahren beim ZDFPeter Hahne wurde am 9. November 1952 als Sohn eines Drogisten in Minden geboren. Er studierte Theologie, Philosophie, Psychologie und Germanistik in Bethel, Heidelberg und Tübingen und schloss das Studium 1977 als Diplom-Theologe ab.Im selben Jahr begann seine journalistische Karriere beim Saarländischen Rundfunk, wo er als Erster Redakteur in die Chefredaktion berufen wurde. Hahne profilierte sich als Moderator von Hörfunkmagazinen, im Fernsehen moderierte er Talkshows im WDR.1985 wechselte Hahne zum ZDF und moderierte ab 1989 das "heute-journal", ab 1991 die "heute"-Nachrichten.1999 wurde er Stellvertreter des ZDF-Hauptstadtstudios und Leiter des Politmagazins "Berlin direkt".------------------------------Foto: Fragen kann er: Peter Hahne talkt künftig nach dem "Fernsehgarten" im ZDF.