Wenn ein Mann jeden Tag mit einer Sippe zu tun hat, deren Mitglieder Gustav Gans heißen, Dussel oder Dorette Duck, erwartet man irgendwie, dass man ihm das anmerkt. Das ist wahrscheinlich gemein. Soll denn Peter Höpfner mit einem Daniel-Düsentrieb-Hütchen auf dem Kopf durch den Verlag laufen, oder im Dagobert-Duck-Frack? Dennoch ist es schade, dass sein Büro im Egmont Ehapa Verlag an der Wallstraße in Mitte ebenso gut zu einer Werbeagentur gehören könnte, so neutral ist es, und Peter Höpfner auch in einer arbeiten könnte, mit seinem kahlen Kopf und der schwarzen Brille. Und dass er Dinge sagt wie: "Auch Unterhaltung ist Arbeit." Wenigstens denkt man an Goofy, wenn er durch die Gänge des Verlags geht. Schlaksig, mit langen wippenden Schritten.Peter Höpfner ist so etwas wie der Bürgermeister von Entenhausen. Im August hat ihn der dänische Egmont Ehapa Verlag zum Chefredakteur der deutschen Disney-Comics gemacht. Der Verlag produziert auch die Asterix-Hefte und Lucky Luke. Das Disney-Paket ist dick. Das Micky-Maus-Magazin gehört dazu, das donnerstags erscheint, die Lustigen Taschenbücher, die einmal im Monat rauskommen, Sondereditionen, Jubiläumsausgaben. Auch neue Produkte wie "Witch, das magische Mädchenmagazin" in dem großäugige Teenager Abenteuer erleben.Vor allem aber steht Peter Höpfner der Welt vor, in der es eine Maus namens Micky gibt, die ein rotes knielanges Höschen trägt und gelbe Schuhe und die immer ein wenig klüger ist als die anderen. Eine Ente im Matrosenanzug, die Donald heißt und die immer ein wenig mehr Pech hat als alle anderen. Einen geizigen Enterich mit Backenbart, drei pummelige Hunde, die Panzerknacker heißen, und zu dumm sind, um richtig böse zu sein. Die Pfiffigen und die Schussligen, die Gemeinen und die Gutmütigen, es hat sich nichts geändert. Seit 50 Jahren, seit es das erste Micky-Maus-Heft gab. Da atmet man schon mal tief durch, sagt Peter Höpfner, wenn man bis vor kurzem Lokaljournalist war und plötzlich, mit 32 Jahren, sagen kann, man sei der Chefredakteur von Micky Maus. Er hat in der Bezirksredaktion der "Berliner Morgenpost" gearbeitet, und er hat Comic-Rezensionen geschrieben. Dabei knüpfte er den Kontakt zum Verlag. Er sagt, dass er Micky-Maus-Hefte sammelt, seit er 17 ist, aber dass sein Interesse "eher peripher" war. Wahrscheinlich sollte der junge Mann frischen Wind in den Verlag bringen. Egmont Ehapa sucht frischen Wind, darum wurde der Verlagssitz im April nach 50 Jahren von Stuttgart nach Berlin verlegt.Vermutlich klingt "Chefredakteur der Disney-Comics" imposanter, als es ist. Peter Höpfner macht den Eindruck, als fühle er sich in der Disney-Welt wie in einer Gastrolle, und das muss wohl auch so sein. Sie hat viele Verwalter überstanden, und auch Peter Höpfner wird wieder gehen, und Dagobert Duck immer noch seine Münzen zählen. Entenhausen ist unverrückbar. Wenn sich doch einmal etwas ändert, etwa A-Hörnchen und B-Hörnchen aus den Geschichten verschwinden, was vor ein paar Jahren geschah, dann beschließen das Menschen, die Vice President Publicity Europe heißen und in der Verlagszentrale in Kopenhagen sitzen. Dort fallen die wichtigen Entscheidungen, von dort kommt jede Woche ein Stapel neuer Geschichten auf Peter Höpfners Schreibtisch, aus denen er die auswählt, die ins Deutsche übersetzt werden sollen. Die Geschichten landen auch bei den anderen Disney-Chefredakteuren, in Italien, in Norwegen. Es gibt mehrere Zeichner und 15 Übersetzer, die die Sprechblasen füllen."Ich bin ein kleines Licht in einem großen Betrieb", sagt Peter Höpfner. Er kann nur im Kleinen etwas ändern, und soll doch Großes schaffen. Er soll dafür sorgen, dass die Auflage des Micky-Maus-Magazins wieder steigt. Das Heft ist immer noch das größte Jugendmagazin Deutschlands, mit Abstand. Irgendwann kommt "Wendy", das Heft für pferdebegeisterte Mädchen. Aber der Abstand wird kleiner. Vor ein paar Jahren wurden noch 700 000 Hefte pro Woche verkauft, jetzt sind es 500 000. Vielleicht hat Peter Höpfner eine eigene Erklärung dafür. Vielleicht vermutet er, dass die Leser mit den Heften alt geworden sind, 30-Jährige, die das Produkt aus Nostalgie am Kiosk verlangen, wie er selbst. Aber das sagt er nicht. Er erklärt die Verluste mit fast den gleichen Worten wie der Verlag im vergangenen Jahr, als der 50. Geburtstag der Micky Maus gefeiert wurde: "Mit dem Erfolg der Pokemons hat niemand gerechnet." Und: "Wir haben jetzt geburtenschwache Jahrgänge." Die meisten Leser der Disney-Comics sind laut Verlagsstatistik auch so jung, wie sie sein sollen, zwischen acht und zwölf. Drei von vier sind Jungs.Motiviert, aber auch nicht richtig überzeugend klingt, was Peter Höpfner sich vorgenommen hat: "Ich will, dass die Kinder auf dem Schulhof wieder über Micky Maus sprechen." Das will er erreichen, indem die Teile der Hefte wichtiger werden, die mit den Geschichten gar nichts zu tun haben. Die Gimmicks zum Beispiel: In einem Heft lagen zwei runde Plastikscheiben, durchzogen von roten Linien. "Horror-Augen, leuchten im Dunkeln" stand auf dem Cover. Außerdem soll die Welt von Entenhausen ein wenig näher an unsere heranrücken. Aktuelle Ereignisse werden vorkommen. Wenn Deutschland wählt, bekommt auch Entenhausen einen neuen Bürgermeister. "Darauf hab ich Bock", sagt Peter Höpfner."Hey Alter" geht nichtDas könnten auch Tick, Trick und Track sagen. Donalds Neffen repräsentieren die Jugend in den Heften, also sollen sie sprechen, wie man es tut, wenn man jung ist. Seit Erika Fuchs vor 50 Jahren das Entendeutsch erfand und den Deutschen "Stöhn!", "Seufz!" und "Dem Ingenör ist nichts zu schwör" schenkte, hat sich die Sprache in Entenhausen eigentlich nicht verändert. Nun soll sie das tun - in Maßen. ",Hey Alter geht nicht", sagt Peter Höpfner, "gegen ,krass habe ich nichts. Die Erwachsenen der Fantasiewelt kalauern weiter in Alliterationen: "Ach, du heftige Hexe!" ruft Micky in einem der letzten Hefte. Wenn Peter Höpfner den Ausruf leicht ungelenk findet, sagt er es nicht. Er sagt, das hake ein bisschen, das fände er nicht schlecht. Dann geht er zum Computer und klickt eine E-Mail an. Ein Zeichner hat einen Vorschlag für ein Taschenbuch-Cover geschickt. Donald und Dussel in lässiger Pulp-Fiction-Pose. Sie ziehen ihre gespreizten Finger nah am Gesicht vorbei, wie John Travolta in der Tanzszene. Cool, sagt Peter Höpfner, und dass das seine Idee war. Beim Cover redet ihm keiner rein."Ich bin ein kleines Licht in einem großen Betrieb." Peter Höpfner.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Ein Mann und seine Maus: "Auch Unterhaltung ist Arbeit", sagt Peter Höpfner.