Schwimmbad gleich Wasser, und Wasser gleich blau. "Also sind auch meine Bilder blau", sagt Peter Lindenberg und hebt die Hände: "So einfach ist das", besagt diese Geste. Aber so einfach hat er es sich nicht gemacht, als das Angebot der Berliner Bäder Betriebe kam, Kunst in das Stadtbad Schöneberg zu bringen. Lindenberg hat nachgedacht. Über die Erdenschwere des Menschen und das Weiche des Wassers, in dem Schwimmen zugleich entspannt und anstrengt. Blau ist eine Farbe, die beides ausdrücken kann, das Anstrengende wie das Entspannende, sagt Lindenberg. So ist er wieder beim Blau und seinen vielschichtigen Stimmungen gelandet. Nein, sagt er, die Stadtbad-Besucher müssten darüber nicht sinnieren. Auch nicht über die Formen, die in den halb durchsichtigen Säulen aus dem Kunststoff Robelit - wie beim Tauchen mit offenen Augen - eher zu ahnen als zu sehen sind. Lindenberg stört es nicht, wenn die meisten Badegäste nur einen kurzen Blick dafür übrig haben. "Die Leute kommen zum Schwimmen und nicht wegen der Kunst", sagt der 35-Jährige.Eine realistische Einstellung. "Meinethalben sollen sie das machen", sagt Helmut Schmied. Noch kürzer ist der Kommentar seiner Frau Renate: "Ganz hübsch", sagt die Friedenauerin. Überzeugt klingt das nicht. Trotzdem wollen die Berliner Bäder Betriebe künftig noch mehr Kunst in ihre Bäder holen, unter anderem auch ins SEZ und ins Neuköllner Bad. Die Bäder Betriebe kommen billig dabei weg, denn sie stellen nur den Raum zur Verfügung. Die Kosten von 5 000 Mark pro Ausstellung übernehmen Sponsoren. "Davon haben wir genügend", sagt Andreas Kuhn-Fischer, der "Kunst im Bad" organisiert.Auch an interessierten Künstlern mangelt es nicht. Derzeit verhandelt Kuhn-Fischer mit Aktionskünstlern aus Großbritannien. Vorgaben werden bewusst nicht gemacht, aber einen Bezug zum Thema Schwimmen/Bad oder zur Architektur des Gebäudes sollten die Ausstellungen schon haben. Mittlerweile gehen Kuhn-Fischers Pläne allerdings schon darüber hinaus: Er plant Popkonzerte und Modeschauen in stillgelegten Bädern.Peter Lindenberg jedenfalls ist zufrieden mit dem Auftakt zu dieser Ausstellungsreihe. Ein Bild habe er schon verkauft, sagt er und lächelt zurückhaltend. Das beweise, dass sich einige Badegäste durchaus auf seine Kunst einlassen. Nicht, dass seine Bilder sonst unverkäuflich wären. Seitdem er vor acht Jahren nach dem Kunststudium in Braunschweig nach Berlin gekommen ist, hat er sich einen Namen in der Kunstszene gemacht. Kellnern oder Taxifahren sei für ihn nie in Frage gekommen: "Dafür habe ich nicht acht Jahre studiert", sagt er. Es geht ihm nicht darum, reich und berühmt zu werden. Ernst und wahr genommen will er. Das ist, wie er zufrieden zugibt, längst der Fall. Deshalb sieht es Peter Lindenberg gelassen, wenn die Schöneberger Badegäste sich mehr für das Blau des echten als des gemalten Wassers interessieren.Die Ausstellung im Stadtbad Schöneberg (Hauptstraße 39) läuft bis zum 28. Februar. Informationen über Peter Lindenberg gibt es auf der Homepage der Galerie Rohling. Die Internet-Adresse:www.galerierohling.deBLZ/BREXENDORFF Peter Lindenberg vor einer Robelit-Skulptur im Stadtbad Schöneberg