GRÖBEN. "Geschlossen", steht mit Kreide auf einer Tafel, die am Eingang zum Gasthof Naase in Gröben (Teltow-Fläming) lehnt. Peter Naase steht mit verschränkten Armen im Gastraum. Der 41-jährige Wirt hat Zeit. Normalerweise würde er in der Küche stehen und kochen. Oder aber bauen. In der oberen Etage sollen Gästezimmer entstehen. Aber seit drei Wochen muss Naase in seinem Haus einfach nur ruhig sein. Da darf er nicht mit Töpfen klappern oder Zwiebeln hacken, nicht bohren oder hämmern. Bei Naase wird derzeit eine neue Geschichte um den kultigen Dorfpolizisten Horst Krause gedreht, der aus dem RBB-Polizeiruf bekannt ist. Nach den Fernsehfilmen "Krauses Fest" und "Krauses Kur" entsteht nun "Krauses Braut". Und aus Naases Lokal ist dafür wieder der "Gasthof Krause" geworden.Für Peter Naase ist es keine ungewöhnliche Situation, ein wenig fremd zu sein im eigenen Heim. Er macht es auch nicht umsonst. Schon etliche Male diente der Gasthof als Kulisse. Zwei-, dreimal im Jahr kommt das vor. Eine Zeitung schrieb mal, dass Naase und seine Mutter während der Dreharbeiten in den Keller ziehen müssten. Das stimme so nicht, sagt der hagere Wirt. Er habe in seinem Haus immer zwei Zimmer, die privat bleiben. Das Haus will er während der Filmarbeiten nicht ganz verlassen. Er muss immer erreichbar sein. Denn bei jedem Nagel, der in die Wand gehauen wird, muss er gefragt werden.Lange TraditionSeit Jahren schon gilt der 300 Einwohner zählende Ort Gröben als beliebter Drehort, Naases Gasthof mit der alten Scheune und dem kopfsteinbepflasterten Hof ist zur perfekten Kulisse geworden - nicht nur für die Geschichten um Horst Krause (gespielt von Horst Krause) und seinen beiden Film-Schwestern Elsa (Carmen Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger). Warum das so ist, erklärt RBB-Sprecher Volker Schreck: "Die Familie Naase ist sehr verlässlich, und sie besitzt einen typischen brandenburgischen Hof. Das Ensemble passt gut zu den Krause-Filmen." Der Sender hatte den "Gasthof Naase" 1999 entdeckt, und dort den Polizeiruf "Mörderkind" mit Jutta Hoffmann gedreht."Hier gibt es etwas, das eigentlich schon lange verloren gegangen ist", sagt Horst Krause in einer Drehpause. Hier sei noch alles ursprünglich. Krause ist 69 Jahre alt und in Ludwigsfelde, gleich nebenan, aufgewachsen. Das etwas Altmodische passt zum Film, in dem Krause und seine Schwestern auf dem elterlichen Bauernhof samt Kneipe leben.Auch Naases Gasthof hat eine lange Familientradition. Mit Peter Naase steht die 14. Gastwirt-Generation hinter dem alten Tresen. Den Gastraum prägen Holztische und Holzstühle. Ein Foto der Urgroßmutter hängt an der Wand, genau über dem plüschigen Sofa, auf dem Horst Krause im Film immer seine Mahlzeiten zelebriert. Es wurde für die Dreharbeiten nicht abgehängt, weil Naases Urgroßmutter im Film einfach Krauses Mutter wird.Peter Naase kann sich noch gut daran erinnern, wie es begonnen hatte mit der Filmerei. "Anfang der 90er-Jahre kam mal ein Herr mit weißem Schal herein, aß eine Bockwurst und fragte meine Mutter, ob man bei uns im Saal nicht Theater spielen könnte", sagt der Wirt. Der Herr war der Theaterregisseur Peter Zadek. Die Aufführung wurde zum Erfolg. "Es hat sich dann wohl herumgesprochen, dass man hier eine ganz gute Kulisse hat", sagt Naase.1995 stand dann ein Filmteam vor der Tür, das es auf die Scheune auf dem Hof abgesehen hatte. "Die Scheune war vollgestellt mit allem möglichen Kram, und ich hatte eigentlich keine Lust, sie auszuräumen", sagt Naase. Aber die Filmleute ließen nicht locker. So mistete Naase für Götz George aus, der dann in der Scheune für den Thriller "Der Sandmann" vor der Kamera stand. "George war selten zu sehen", erzählt der Wirt. Inge Meysel, die einen Polizeiruf drehte, sei da ganz anders gewesen. "Sie ist immer durchs Dorf geschlendert." Und hat sich wie viele andere Schauspieler und Regisseure auch in Naases dickem Gästebuch verewigt.Naase findet die Filmleute alle ganz sympathisch. "Wir sind bisher gut miteinander ausgekommen", sagt er. Viel Werbung will er mit seiner berühmten Kneipe aber nicht machen. "Es ist ganz gut so wie es ist", erklärt der wortkarge Mann. Ortsvorsteher Ernst von Glasow sieht das ebenso. Er denkt, dass die Leute auch ohne großartige Reklame in das Dorf kommen. "Der Ort ist gekennzeichnet durch seine Beschaulichkeit", sagt er. Man habe durch die drei Gasthöfe ein konstantes Publikum. Die häufigen Dreharbeiten empfindet er keineswegs als lästig. "Die Filmleute sehen wir nicht als Störenfriede, sie sind immer sehr höflich."Am Montag sind die Kameras verschwunden. Dann sind auch die Requisiten weg: Krauses altes Sofa im Gastraum etwa, oder das Radio und der Farbfernseher aus DDR-Produktion. Auch das Blechschild "Gasthof Krause" am Haus wird abgeschraubt. Und im Gasthof Naase zieht wieder Normalität ein. Der gelernte Koch Peter Naase wird am Herd stehen und kochen. Soljanka, Bockwurst, Schnitzel, Bratkartoffeln, hausgemachte Kartoffelpuffer und Kartoffelsuppe stehen auf der Karte. Die bodenständige Kost gibt es auch im Film. Das Drehteam hat die Speisekarte nicht verändert. Warum auch? Sie passt zu Horst Krause, zu den Schwestern und dem "Gasthof Krause".------------------------------Foto: "Der Sandmann" mit Götz George war der erste Film, der im Gasthof Naase gedreht wurde. Der Schauspieler schrieb am 4. Mai 1995 in Naases Gästebuch: "Es war ein wirklich schönes Arbeiten bei Ihnen und vielleicht komme ich mal privat vorbei, als alter Berliner." Die Schlüssel zu den Pensionszimmern, die im Gasthof hängen, gehören zur Requisite.Foto: Typischer Landhof, Kneipe mit Tradition: Gastwirt Peter Naase bei einem Schwatz mit Horst Krause. Der neue Film soll vor Weihnachten ausgestrahlt werden.