Niemand wird jünger, auch bei Udo Lindenberg, der heutzutage bei einem Lindenberg-Ähnlichkeitswettbewerb wohl nur noch einen hinteren Platz belegen würde, dauern die Restaurierungsarbeiten inzwischen immer länger. Wie sonst sollte man erklären, dass der in die Jahre gekommene Rocker nach dem Abschlusskonzert seiner "30 Jahre Panik Power"-Tour am Montagabend in der Arena in Treptow die Gäste der anschließenden Party mehr als zwei Stunden warten ließ? Seit 23.30 Uhr hatten die ihn im Tränenpalast erwartet und dabei sogar fast klaglos die seltsame Musikmischung von Hilfs-DJ Benjamin von Stuckrad Barre ertragen. Lindenberg war im Hotel duschen und kam dann mit seinem großen Gefolge zur Fete. Mittendrin Schauspieler Ben Becker, der um die Augen herum aussah wie Egon Krenz in den letzten Monaten der DDR. Unterschied: Bei Becker waren die dunklen Augenringe angemalt. Sein Rückblick auf die Tournee, während der er mit Lindenberg zusammen auf der Bühne stand: "Das waren zehn gigantische Tage. Und jetzt freue ich mich auf meine Tochter!"Durch die Mitwirkung von Helden der Rockmusik wie Eric Burdon (The Animals) und Nina Hagen wurde die Tour wirklich zum versprochenen "Aufmarsch der Giganten" - Verluste sind allerdings auch zu beklagen. Beim letzten Konzert schlug Sängerin Yvonne Catterfeld eine bisher nicht erlebte Ablehnung des Publikums entgegen. Ihr Auftritt mit dem Lied "Niemandsland" ging in Pfiffen unter. Sie selbst kommentierte das erschüttert: "Da muss ich jetzt durch." Das Publikum war offenbar auf härtere Rhythmen eingestellt, die baladeske Catterfeld kam im Ablauf direkt nach Rocklegende Burdon. Sie hatte mit ihrer Managerin Veronika Jarzombek vorher noch überlegt, ob sie bei dem Konzert überhaupt auftreten soll. Dass sie sich nicht dagegen entschieden hat, spricht für sie: Nachdem Udo Lindenberg Yvonne Catterfeld als Gast seiner Tournee angekündigt hatte, obwohl klar war, dass sie neben Studioaufnahmen und eigenen Tourneeproben gar keine Zeit dafür hat, wollte die junge Sängerin ihn nicht hängen lassen und als Zicke dastehen, die nach den ersten Erfolgen vergisst, wer ihr am Anfang der Karriere geholfen hat.Konzertveranstalter Burkhard Zahlmann, der den Untergang der Sängerin miterlebt hat, sagte: "Das war einfach nicht ihr Publikum." Für das Catterfeld-Konzert am 28. März in der Columbiahalle läuft der Vorverkauf gut: "1 000 Karten sind weg, ich schätze, dass 2 000 Besucher kommen. Für so eine erste Tournee wäre das sehr gut."Unter den ersten, die der ausgepfiffenen Sängerin auf ihrer Internetseite www.yvonnecatterfeld.de Trost spendeten, war ein Kollege. Beppo Pohlmann von den Gebrüdern Blattschuss ("Kreuzberger Nächte sind lang") ist richtig sauer darüber, dass Yvonne Catterfeld so schlecht behandelt wurde: "Leider wieder mal ein typisches Beispiel für ein borniertes Publikum, das alles, was auch bei der Masse der Leute erfolgreich ist, automatisch verdammt. Dieses Publikum ist natürlich zu überheblich, um zu wissen, dass Yvonne schon vor ihren Riesenhits mit Udo gearbeitet hat." Und dann äußert Pohlmann noch einen Verdacht: "Wahrscheinlich hätte dieses Publikum Yvonne vor zwei Jahren gefeiert."Foto (2): Als man alles und jeden schon doppelt sah: Mitten in der Nacht bei der Party von Udo Lindenberg im Tränenpalast.Augenringe wie der späte Egon Krenz, aber offenbar jede Menge Spaß dabei: Ben Becker feierte mit Lindenberg im Tränenpalast.Foto: Brauchte ein breites Kreuz: Yvonne Catterfeld.