Ein Arzt des Volkes", steht auf der Inschrift des grauen Steins. Und: "Dr. Arno Philippsthal - von den Faschisten am 3. April 1933 hingerichtet." Gestern wurde das neu erbaute Pflegewohnheim im sozialen Zentrum Grabensprung eingeweiht. Das Haus trägt den Namen des Arztes. Seine Tochter Gerda Hall ist eigens dafür aus den USA gekommen.Der Gedenkstein erinnert an den jüdischen Mediziner, der von 1919 an in Biesdorf lebte und den die Nazis verhafteten und ermordeten. Ein schon zu DDR-Zeiten betriebenes Krankenpflegeheim, dessen marode Gebäude für das neue Zentrum abgerissen wurden, war ebenfalls nach Philippsthal benannt.Gerda Hall hat Tränen in den Augen, als die Gedenktafel enthüllt wird. Acht Jahre war sie alt, als sie 1937 mit Mutter und Bruder aus Hitlers Deutschland in die USA floh. Die frühere Lehrerin, selbst Mutter von drei Töchtern, berichtet von ihrem Vater: "Er hat nie aufs Geld geschaut, wenn er einen Patienten behandelte." Wichtig sei ihm gewesen, den Menschen helfen zu können. Gerda Hall, die in Charleston (South Carolina) lebt, hat noch heute ein Bild in ihrem Wohnzimmer, das ihrem Vater gehörte: "Statt Honorar bekam er manchmal andere Sachen, die die Menschen ihm geben konnten - wie dieses Gemälde."Gerda Hall ist nicht zum ersten Mal wieder in Biesdorf. "1957 habe ich es erstmals gewagt, nach Deutschland zu reisen", sagt sie. Denn ihre Tante Sonja Schrock wohnt in Berlin. "Wenn ich sie in Siemensstadt besucht habe, haben wir oftmals auch einen Abstecher nach Biesdorf gemacht." Vor der Wende sei das "ziemlich kompliziert" gewesen. "Aber seit 1990 bin ich häufiger hier", sagt sie. Im vergangenen Jahr hat Gerda Hall in der evangelischen Kirche von Biesdorf über Arno Philippsthal referiert. "Es tut gut, dass sich die Leute hier an ihn erinnern", sagt sie. Das neue Heim, in dem etwa 120 alte und teilweise mehrfach behinderte Patienten wohnen und von erfahrenen Fachkräften betreut werden, wäre bestimmt im Sinne ihres Vaters gewesen: "Er hätte seine Freude daran gehabt."Auch Seniorenwohnungen Knapp 15 Monate hat es gedauert, bis die 120 Zimmer im neuen Haus bezogen werden konnten. Es wird nicht das einzige neue Gebäude am Grabensprung bleiben: Heute wird das Richtfest für ein speziell auf Senioren zugeschnittenes Dienstleistungszentrum gefeiert, das neben Einkaufsmöglichkeiten auch eine Tagespflegeeinrichtung sowie zahlreiche Arztpraxen bietet. 2001 soll der letzte Teil der Anlage fertig gestellt werden: 91 Seniorenwohnungen. 85 davon sind schon vermietet. Bauherr ist die Schindler-Gruppe, die vier Seniorenheime in Marzahn sowie eine Augenkli- nik betreibt.Die Kosten für das Pflegezentrum, das Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (B 90/Grüne) bei der Einweihung gestern als "beispielgebend" würdigte, betragen 50 Millionen Mark. Mit 16 Millionen beteiligen sich Bund und Land an dem Projekt."Es tut gut, dass sich die Leute hier an meinen Vater erinnern. " Gerda Hall, Tochter des Arztes Arno Philippsthal

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