Pflegerin für die Oase

Wenn Isabel Pfeiffer-Poensgen im Herbst nach Berlin zieht, tut sie das für einen der schönsten Posten, den der deutsche Kulturbetrieb zu vergeben hat. Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder (KSL) wählte die Aachener Juristin zu seiner neuen Generalsekretärin, nachdem die bisherige Amtsinhaberin Karin von Welck dem Ruf in die Hamburger Landespolitik nicht widerstehen konnte. Auf Pfeiffer-Poensgen wartet in Berlin ein wohl geordnetes Haus.Die KSL ist eine Oase im finanzdürren Jammertal der Kulturpolitik. Seit 1988 hilft die Stiftung deutschen Museen beim Ankauf bedeutender Werke. Sie wirkt diplomatisch dezent, begutachtet und fördert mit Kennerschaft die Wünsche selbst kleinerer, entlegener Häuser, war aber auch meist dabei, wenn ein spektakulärer Erfolg zu feiern war. Von der Rückkehr des Quedlinburger Domschatzes über die Rettung der Sternburg-Sammlung für Leipzig bis zum Ausgleich Sachsens mit den Wettinern - immer spielte die KSL eine maßgebliche Rolle in den Verhandlungen und bei der Finanzierung.Nach fünfeinhalb Jahren als Aachens Kulturdezernentin, wo sie mit Leidenschaft und Zähigkeit zerstörerische Sparattacken abwehren konnte, weiß Pfeiffer-Poensgen nur zu gut um den Wert der Förderung aus Berlin, die sich ja stets als Impulsgeber anderer Beiträge von Ländern, Kommunen und privaten Sponsoren versteht: "Im Suermondt-Ludwig-Museum konnten wir das Geld für eine Beweinungsgruppe erst auftreiben, als die Kulturstiftung ihren Anteil in Aussicht gestellt hatte. " Den Föderalismusstreit, der zwischen Bund und Ländern über die Zuständigkeiten in der Kulturpolitik entbrannt ist, verfolgt sie mit gemischten Gefühlen. "Als Juristin verstehe ich die verfassungsrechtliche Sicht der Länder, die auf ihrer Kulturhoheit bestehen. " Aber die bettelarmen Kommunen, das weiß Pfeiffer-Poensgen nur zu gut, sind auf jeden Zuschuss des Bundes angewiesen. "Wir müssen aus dieser Debatte herauskommen, ohne dass die Kunst den Schaden davon trägt. " In Aachen hat sich die parteilose Pfeiffer-Poensgen, die hier 1954 geboren wurde und aus einer angesehenen Familie stammt - ihr Großvater gründete den Karlspreis, ihr Vater nach dem Krieg die CDU -, allseits Respekt verschafft. Sie betrieb eine geschickte Personalpolitik und sorgte mit Hilfe engagierter Bürger dafür, dass ein Konzertsaal gebaut wird. Besonders stolz ist sie auf zwei große historische Ausstellungen über die Aachener Königskrönungen sowie die jahrhundertealte Tradition des Ost-West-Dialogs, die der Stadt viele Besucher und Anerkennung in den Feuilletons einbrachten. Das blieb im Rheinland nicht unbemerkt: Köln, wo sie von 1989 bis 1998 Kanzlerin der Musikhochschule war, wollte mit ihr als neuer Dezernentin die desaströsen Possenspiele der städtischen Kulturpolitik beenden. Dann kam der verlockende Ruf nach Berlin. Doch wird Pfeiffer-Poensgen die rheinische Kulturlandschaft im Blick behalten. "Der Westen ist im Moment etwas aus dem Blick geraten. Da grummelt es schon ein wenig. " Die Segnungen der KSL gerecht aufzuteilen, das wird zu ihren Herausforderungen gehören.------------------------------ Isabel Pfeiffer-Poensgen Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder