Pharma-Kooperationen mit Schering und Grünenthal: Biotech-Firma Noxxon hofft auf einzigartige Gen-Technologie

BERLIN, 11. Juni. Sie seien "nicht von dieser Welt" sagt Sven Klußmann, Wissenschaftsvorstand der Noxxon Pharma, über seine Moleküle. Ihre Wirkung könnte die Zukunft der Medikation verändern. Die Rede ist von synthetisch hergestellten Molekülen, so genannten Spiegelmeren. Sie sind die Grundlage für eine neue Generation gentechnischer Medikamente.Schlüssel-Schloss-Prinzip"Wirkstoffe werden nicht mehr nach der Trial-and-Error-Methode gesucht", erklärt Thomas Klein, Vorstandsvorsitzender der Noxxon die Technologie. Dem Prinzip nach funktioniert die Methode wie das Schlüssel-Schloss-Prinzip: Man sucht im Körper gezielt nach Krankheiten oder Schmerz auslösenden Verbindungen. Anhand ihrer chemischen Struktur wird im Labor ein spiegelbildlicher Baustein hergestellt, der wie ein Schlüssel in das körpereigene Molekül passt. Der synthetische Baustein kann so an sein Zielmolekül binden und die Auslösung der Krankheit oder des Schmerzes unterdrücken. Der Clou: Im Gegensatz zu körpereigenen Stoffen kann das Immunsystem keine Antikörper gegen die künstlichen Moleküle aufbauen - sie sind stabil. "Die Technologie ist weltweit einzigartig", sagt Björn Wallmark, Leiter der Corporate Research bei der Schering AG. Das Berliner Pharma-Unternehmen arbeitet seit einiger Zeit mit Noxxon zusammen. Schering hofft, die von Klußmann patentierte Methode bei der Krebs-Heilung einsetzen zu können. Kürzlich konnte bei Schering nachgewiesen werden, dass die von Noxxon im Labor entwickelten Spiegelmere auch im lebenden Tier wirksam sind. "Das ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Medikament", sagt Wallmark. Neben Schering arbeitet Noxxon auch mit dem Pharma-Hersteller Grünenthal in Aachen zusammen. Hier geht es um die Entwicklung einer Schmerztherapie. Außer solchen Kooperationen will Noxxon in den nächsten Jahren auch selbst den Sprung zum Pharma-Unternehmen schaffen."Wir müssen in der Lage sein, unsere Produkte selbst bis in die klinische Phase zu tragen", erklärt Klein die Strategie. Erst wenn die Firma Ende 2002 so weit sei, könne man einen Börsengang überlegen, so der Vorstandschef. Geld hat die 70 Mitarbeiter zählende Firma in nächster Zeit jedenfalls für ihre Forschung zur Verfügung: Mit dem britischen Investor Merlin Biosciences konnte ein Brocken der Kapitalbranche gewonnen werden. Das Unternehmen im Internet:www.noxxon.net