Plattenbausiedlungen gehören nicht zu den bevorzugten Orten, an denen sich Handwerksbetriebe ansiedeln. Der Berliner Bezirk Hohenschönhausen steht im Vergleich zu den anderen Bezirken ganz unten auf der Liste: Auf 120 000 Einwohner kommen hier gerade mal 32 Maurer-, 21 Maler- und 31 Elektrobetriebe sowie neun Tischler. Im Bezirk Pankow sind es mehr als doppelt so viele Betriebe. Die Berliner Landesentwicklungsgesellschaft (Bleg) will nun mit "Gewerbereihenhäusern" für Handwerker Anreize schaffen, sich in Hohenschönhausen anzusiedeln.Hausaufteilung nach BedarfAn der Picasso-Straße gegenüber einer Wohnsiedlung beginnen im Frühjahr 1998 die Bauarbeiten für das Pilotprojekt. Mit der Fertigstellung rechnet der Leiter des Projekts, Mathias Bernard, bereits Ende 1998. Die Bleg, die bei den Reihenhäusern mit der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe zusammenarbeitet, erschließt vier Hektar landeseigener Fläche. Die Parzellen werden vor Baubeginn an die Handwerker verkauft, und die Raumaufteilung orientiert sich an den Wünschen des Erwerbers. Die geplanten Häuser sollen besser als andere Gewerbegebäude dem Bedarf kleiner und mittelgroßer Betriebe entsprechen. Sie können ­ je nach Bedarf ­ flexibel in der Größe aufgeteilt werden. Eine sogenannte Simplex-Einheit umfaßt 360 Quadratmeter Grundstücksfläche und eine Bruttogeschoßfläche von rund 90 Quadratmetern. Die Duplex-Einheit ist doppelt so groß. Reicht dem Erwerber die Gebäudefläche nicht aus, besteht die Möglichkeit, ein Zwischengeschoß einzuziehen. Auch eine Hallenerweiterung um 70 Quadratmeter ist möglich. Interessenten, die gerne Wohn-und Arbeitsplatz miteinander verbinden möchten, können sich einen Teil der Fläche zur Wohnung ausbauen. Als Preis hat die Bleg 310 000 Mark für die Simplex-Einheit und 565 000 Mark für ein Duplex-Haus veranschlagt. Anfragen liegen bereits vorWeil es beide Möglichkeiten gibt, steht die Anzahl der Einheiten noch nicht fest: Maximal 44 Simplex- beziehungsweise 22 Duplex-Einheiten wären in den beiden Bauabschnitten möglich. Bleibt das Verhältnis so, wie es sich jetzt in den bereits vorliegenden Anfragen abzeichnet, dann werden von beiden Typen etwa gleich viele Einheiten gebaut."Die meisten Anfragen kommen aus dem Osten und Nordosten Berlins", sagt Bernard. Die Betriebe sehen in dem Projekt eine Möglichkeit, den Mietpreiserhöhungen zu entkommen und sich an einem sicheren Standort anzusiedeln. Außerdem macht die Nähe zu den Kunden im Wohngebiet die Gewerbereihenhäuser für die Betriebe interessant, sagt Bernard. Umgekehrt ist der Arbeitsplatz nah an der Wohnung. Für den Bau können förderberechtigte Erwerber Mittel aus der GA-Förderung oder auch der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Anspruch nehmen. Weitere Projekte sollen folgenBernard beziffert die Kosten für die Erschließung des Areals auf rund vier Millionen Mark. Das Investitionsvolumen für den ersten Bauabschnitt wird schätzungsweise fünf bis sechs Millionen Mark betragen. Wenn die Hohenschönhausener Gewerbereihenhäuser guten Anklang finden, will die Bleg an weiteren Berliner Standorten versuchen, die Handwerker von der grünen Wiese in die Stadt zurückzuholen. Über Standorte in Pankow, Weißensee, Marzahn und einen zweiten in Hohenschönhausen wird nachgedacht.Schließlich sei zu bedenken, so Bernard, daß durch die Reihenhäuser die Existenz von Betrieben in Hohenschönhausen gesichert wird. Dadurch könnten langfristig auch neue Arbeitsplätze entstehen.

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