Pionier der Berliner Luftfahrer

Ballon fahren, heißt das. Nicht fliegen. Das war schon heute vor 192 Jahren so, als der Berliner Gymnasiallehrer Friedrich Wilhelm Jungius mit Hilfe eines Wasserstoffballons zu einer Forschungsfahrt aufstieg. Bis auf 6 000 Meter stieg Jungius, fror dabei wie ein Schneider und konnte kaum die Anzeigen der Meßgeräte notieren. Ein Riß in der Ballonhülle zwang ihn dann zur Landung. Bei Frankfurt (Oder) warf Jungius nach rund anderthalbstündiger Fahrt den Anker aus dem Korb und kehrte zum Boden zurück.Dort erwartete ihn eine Welle der patriotischen Begeisterung. Schon siebzehn Jahre zuvor hatte ausgerechnet ein Franzose, Jean Pierre Blanchard, den Berlinern die Kunst des bemannten Ballonfluges demonstriert. Doch erst Jungius gelang es, das Experiment zu wiederholen. Dafür wurde er sogar von Königin Luise empfangen. Sie bat den 34jährigen um eine Mitfahrgelegenheit. In drei weiteren Auffahrten untermauerte der Forscher dann die damals überraschende These, daß die Luft in hohen Lagen kälter ist als am Boden. Besonders gesund waren diese Ausflüge wohl kaum. Jungius starb schon 1819 an einem Lungenleiden.Heute kann jedermannn bei zwei Berliner Unternehmen Ballonflüge buchen. 90 Minuten kosten 370 Mark, inclusive Schampus für die Ballonfahrertaufe.