Doppelt hält besser. Deshalb hat Thorsten Wirth Mittel- und Zeigerfinger beider Hände zum „V“ für „Victory“ geformt, als er nach seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden der Piraten die Arme hoch reißt. Derlei demonstrative Zuversicht hat die Partei bitter nötig. Vorbei die Zeiten, als sie auf der Welle ihres Medien- und Umfragerfolges in vier Landtage surfte. Mit 2,2 Prozent landete sie bei der Bundestagswahl weit abgeschlagen hinter ihrem Neugründungsnachfolger AfD und Parlamentsabsteiger FDP.

Dennoch mag Thorsten Wirth das Wort „Konkursverwalter“ im Gespräch mit der Berliner Zeitung nicht gern hören. Die Grünen, wendet der 45-jährige Programmierer ein, seien auch einmal außerparlamentarisch gewesen. Für ihn ist „Motivation das Gebot der Stunde“. Dass beim Bremer Parteitag 78,1 Prozent der rund 1 000 streitlustigen Teilnehmer für ihn stimmten, stellt kein schlechtes Auftaktsignal dar.

Wirth, der sich politisch „links libertär“ verortet, ist ein Pirat der (fast) ersten Stunde. Einen Tag nachdem er von ihrer Gründung gelesen hatte, trat er bei: „Ich wusste: Das ist es!“ Nach etlichen Jahren als Programmierer arbeitet der abgebrochene Physik- und Informatikstudent zur Zeit als Referent der Piraten im Frankfurter Römer. Ein Halbtagsjob, der nach seiner Einschätzung genug Zeit für Bundesvorsitz und Familie lässt, zu der ein eineinhalbjähriger Sohn gehört. Wirth war bereits einmal Mitglied im Bundesvorstand. Außerdem hat er Pressearbeit für die Piraten in Hessen gemacht.

Was es heißt, ein Außenseiter zu sein, hat der 45-Jährige als Kind selbst erlebt. In einer zutiefst konservativen Ecke Ostwestfalens war sein Vater sozialdemokratischer Gemeinderat. Früh zog es Wirth fort. Studium in Bielefeld, dann die klassische linke Politisierung: Thorsten Wirth engagierte sich gegen Atomkraft, Golfkrieg und Neonazis. Doch mit dem Interesse für Computer trat die Netzpolitik in den Vordergrund. Heute sind für ihn die Piraten, was früher die Grünen waren: Hüter der Bürgerrechte und Hort politischer Kultur.

Trotz seiner persönlichen Mehrheit konnte Wirth sich in Bremen politisch nicht mit der Forderung nach Bezahlung des Parteichefs durchsetzen. Aber er tröstet sich: „Ich bin ein bescheidener Mensch – und ich kann kochen. Eintopf zum Beispiel.“ Das Rezept für den Wiederaufstieg seiner Partei dürfte etwas komplizierter sein, auch wenn bei der Europawahl im Mai 2014 nur eine Drei-Prozent-Hürde zu überwinden ist.