Ihre Hände zittern, als Katharina Nocun, politische Geschäftsführerin der Piraten, auf die Bühne in der Urban Spree Galerie in Berlin-Friedrichshain tritt. Auf der Leinwand zeigen die Hochrechnungen gerade die erdrückende Mehrheit der CDU. „Wir haben eins auf die Fresse bekommen“, sagt Nocun, „jetzt wischen wir uns den Dreck aus dem Gesicht und kämpfen weiter.“

Ein Wahlergebnis wie ein Schlag ins Gesicht für die Piraten also. Die Partei, die es in den vergangen zwei Jahren in vier Landesparlamente geschafft hatte, für die Umfragen mal elf Prozent auf Bundesebene vorhergesagt hatten, hat es nicht in den Bundestag geschafft. Aus der einstigen neuen politischen Kraft, als die sie schon ausgerufen worden war, ist wieder eine Splitterpartei geworden. Was war passiert?

Die Meinungsforschungsinstitute hatten die Piraten schon seit Wochen irgendwo zwischen zwei und drei Prozent verortet. Und das in einer Zeit, in der das Kernthema der Partei die Öffentlichkeit beschäftigte. Der NSA-Überwachungsskandal hätte ihre Stunde sein können. Doch die Piraten blieben in der ganzen Debatte abwesend.

Im Gedränge der Wahlparty steht Marina Weisband. „Das Thema war zu abstrakt für viele Bürger“, sagt die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piraten, die für einige noch immer die Hoffnung für die Zukunft ist. Den Menschen die Themen der Partei zu erklären, das müssten sie besser machen. Kann sie sich vorstellen, es noch einmal im Bundesvorstand zu versuchen? Weisband lächelt. Sie habe gerade ihre Diplomarbeit abgegeben. „Ich muss erst mal einen Job finden, der mir die politische Arbeit zeitlich erlaubt“, sagt sie.

Marina Weisbands Rücktritt 2012 ist ein Beispiel für die Probleme der Piraten. Die Zwistigkeiten und kleinen Skandale innerhalb der Partei schreckten viele Sympathisanten ab. Und inhaltlich blieben sie hinter Versprochenem zurück. Ihre Idee einer virtuellen, direkteren Demokratie setzten sie bisher nicht überzeugend um. Ein „Demokratie Update“ schafften sie nicht. Die Partei mit den Fragen, als die sie sich auf ihren Wahlkampfplakaten präsentierten, stand einfach nicht als klare Alternative zu den etablierten Parteien dar. Und jetzt? „Die Europawahl 2014“, sagt Bernd Schlömer, der Parteivorsitzende, am Wahlabend. „Das ist unsere Zukunft.“