Mitte Dezember sah alles noch nach einem Rührstück aus. Als die neue Bundesregierung gebildet wurde, hieß es, Ronald Pofalla werde ihr weder wie bisher als Kanzleramtschef dienen noch auf einem anderen Ministersessel Platz nehmen. Der CDU-Politiker wolle sich seiner Partnerin widmen und im 54. Lebensjahr womöglich auch noch eine Familie gründen. Während Frauen wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) alles auf die Karrierekarte setzen, erschien Pofalla wie der Vertreter einer neuen Männer-Generation: weich und geläutert.

Drei Wochen später ist die Wahrnehmung eine ganz andere. Demnach setzt Pofalla nicht auf Liebe, sondern auf Geld. Denn wenn der Einstieg in den Bahn-Vorstand gelingt, dann wird der Rheinländer mit bis zu 1,8 Millionen Euro Jahresgehalt ein Vielfaches dessen bekommen, was er zuletzt kassierte.

Die CDU-Basis ist irritiert

Das Geld dürfte also ein bedeutendes Lockmittel gewesen sein, zumal, wenn Pofalla auf die vergangenen Jahre zurückblickt. Ein Kanzleramtschef brütet stets und ständig über Akten, ohne öffentlich glänzen zu dürfen. Stattdessen bezog Pofalla Prügel, als er den CDU-Parteifreund Wolfgang Bosbach („Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.“) beschimpfte und die NSA-Affäre für beendet erklärte. Der von ihm ersehnte Posten des Bundesarbeitsministers war unterdessen unerreichbar, weil die SPD ihn frühzeitig für Andrea Nahles reklamierte.

Richtig ist aber auch, dass Pofalla all das vor Kritik nicht schützt. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Ulrich Kelber (SPD), sagte, es entstehe der Eindruck, dass der bisherige Kanzleramtsminister „gezielt gekauft wird“. Sollten sich die Berichte über einen Wechsel des CDU-Politikers bestätigen, gehe es der Konzernführung einzig und allein um die Regierungskontakte Pofallas, so Kelber. Die CDU-Basis in Pofallas niederrheinischer Heimat Kleve ist ebenfalls „irritiert, gelinde gesagt“. So jedenfalls äußerte sich der Kreisvorsitzende, der Landtagsabgeordnete Günther Bergmann. Er habe seit den ersten Meldungen etwa 50 Anrufe bekommen, ließ Bergmann wissen. „Alle mit dem Tenor: Wir sind im Wahlkampf für den gelaufen, und jetzt das.“

Pofalla könnte nun das eine erläutern und das andere zurückweisen. Doch das tut er nicht. Wer seine Handy-Nummer wählt, der kriegt es mit der Mailbox zu tun.