Fallen wir mit der Pointe dieses Textes doch gleich wie mit der Tür ins Haus: Der Adventskranz sollte am Sonntag, am ersten Adventssonntag, in jeder, auch der kleinsten Hütte zu stehen, zu liegen oder zu hängen gekommen sein. Vor allem aber sollte die erste seiner vier Kerzen brennen. Warum? Ganz einfach, weil mit dem leuchtenden Kerzenrund eine delikate Wahrheit verbunden ist. Vordergründig betrachtet, haben wir es zwar auch mit einer vorweihnachtlichen Übung zu tun, wonach jeder der nun folgenden drei Sonntage abgezählt und eine weitere Kerze angezündet werden muss – gewissermaßen ein erwartungsfroher Etappenlauf zum Heiligabend am 24. Dezember, dem Tag der Geschenke. Aber das wäre zu einfach gedacht und viel zu bequem und auch etwas profan.

Entscheidend ist vielmehr das Licht der angezündeten Kerzen. Denn nach christlicher Lesart steht ihr Leuchten für das Gute, also für das Gegenteil von bösartiger Finsternis. Mehr noch, der lichternde Adventskranz veranschaulicht einen moralischen Konflikt, aus dem das Gute als Sieger hervorgegangen ist. Entsprechend läuft der viermalige Kerzenbrand auf das Weihnachtsfest hinaus, den Geburtstag von Jesus Christus, von dem es im 9. Kapitel des Johannesevangeliums heißt: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. So lange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ So gesehen, symbolisiert das zunehmende Licht auf dem Adventskranz die wachsende Vorfreude auf die Ankunft des grundgütigen Menschheitsretters.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.