10.000 Plätze fehlen: Eltern rufen zum Protest gegen Kitaplatz-Mangel auf

Der Mangel an Kitaplätzen und Erziehern führt in Berlin am Sonnabend zu den größten Elternprotesten seit zehn Jahren. Ein unabhängiges Elternnetzwerk ruft am kommenden Sonnabend unter dem Motto „Kitakrise“ zu einer Protestkundgebung am Brandenburger Tor auf.

„Viele Eltern finden keinen Kita-Platz, obwohl ein Rechtsanspruch ab dem 1. Geburtstag eines Kindes besteht“, sagt Ann-Mirja Böhm von der Elterninitiative. Insbesondere Mütter müssten sich dann andere, oft nicht wohnortnahe Betreuungen organisieren etwa durch private Babysitter. „Dadurch haben viele Einnahmeausfälle, können nicht wie geplant in den Beruf zurückkehren.“ Auf diese Weise würden sie sogar teilweise den Anspruch auf Arbeitslosengeld verlieren.

„Weil sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen – wegen der Kinderbetreuung.“ Sie selbst hat für ihre 14 Monate alte Tochter schließlich eine Tagesmutter gefunden – muss deshalb täglich fast zwei Stunden von ihrem Wohnort Pankow nach Charlottenburg fahren. Dabei soll der einfache Weg zur Kita maximal 30 Minuten betragen.

Quereinsteiger in den Kitas

Derzeit fehlen in Berlin fast 3000 Kita-Plätze, etwa 10.000 genehmigte Plätze können vor allem aus Personalmangel nicht besetzt werden. „Das Problem wird uns in Berlin als Konstante erhalten bleiben“, sagte Sabine Radtke vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem großen Dachverband für Kita-Betreiber. Die Situation dürfte sich auch im August nur leicht entspannen, wenn die Vorschulkinder eingeschult werden. „Die Eltern suchen immer früher nach einem Platz.“

Angesichts steigender Geburtenzahlen und vermehrten Zuzugs nach Berlin baut der Senat seit Jahren Kita-Plätze. Doch jetzt reicht das nicht mehr. Es finden sich nur noch wenige Flächen, gerade in der Innenstadt. Vor allem aber fehlen Erzieher. Insbesondere die staatlichen Fachschulen bildeten über Jahre nicht genug Erzieher aus, die Last trugen vornehmlich die privaten Fachschulen. Ein Versäumnis, das die Politik zu verantworten hat. Die Reaktion: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erhöhte den zulässigen Anteil von Quereinsteigern in Kitas von 25 auf 33 Prozent. Gleichzeitig erlaubte sie es den Betreibern, Kitas zumindest befristet mit Kindern überzubelegen.

Gehaltssprung für Grundschullehrer

Damit allerdings stellt sie ihre politischen Erfolge der vergangenen Jahre in Zweifel. Denn nachdem Eltern vor zehn Jahren auf einen besseren Betreuungsschlüssel in Berlin gepocht und eine Volksinitiative gestartet hatten, griff der Senat dies auf. In der Folge verbesserte sich der Betreuungsschlüssel spürbar – und sollte eigentlich auch weiter ausgebaut werden. Doch derzeit reicht da Personal dafür nicht. Und wenn etwas passiert, „übernimmt der Senat in so einem Fall bei Überbelegung die Verantwortung?“, fragt sich Katja Nerlich, Leiterin einer Kita in Pankow im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Die Kita-Krise liegt auch an der Bezahlung der Berliner Erzieher. Sie verdienen relativ wenig. In Brandenburg etwa erhalten langjährige Fachkräfte bis zu 400 Euro mehr. Berlin hat zwar einen Gehaltssprung für Grundschullehrer beschlossen, aber nicht für Erzieher. Eine Verbesserung sollen nun die Tarifverhandlungen im kommenden Jahr bringen.